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Ladeverluste beim Elektroauto

Wie hoch sind sie wirklich und was kann man tun?

Ladeverluste beim Elektroauto entstehen bei jedem Ladevorgang. Eine ADAC-Messung zeigt grosse Unterschiede zwischen Haushaltssteckdose, Wallbox und Schnellladesäule. Besonders effizient ist das Laden an der Wallbox. Beim DC-Laden beeinflussen Batterietemperatur und Vorkonditionierung die Verluste.
© ADAC/Martin Hangen
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Wallbox statt Haushaltssteckdose: Die Ladeverluste sinken deutlich.
• DC-Laden ist technisch effizient: Batterietemperatur kann den Vorteil jedoch reduzieren.
• Ladeleistung beachten: Schnelleres AC-Laden verringert zeitabhängige Nebenverluste.

Wis­sen Sie, wie viel Strom Ihr Elek­troau­to ver­braucht? Klar, denken Sie, den Ver­brauch zeigt ja der Bor­d­com­put­er an. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn beim Laden von Elek­troau­tos geht Energie ver­loren, die bezahlt wer­den muss, aber nicht in der Bat­terie lan­det. Und diesen Ver­lust zeigt der Bor­d­com­put­er eben nicht an. Ver­hin­dern lassen sich Lade­v­er­luste nicht gän­zlich. Doch in Zeit­en von Energiek­nap­pheit und hohen Strompreisen sollte man darauf acht­en, die Ver­luste möglichst ger­ing zu hal­ten. Und das ist für jeden Nutzer tat­säch­lich möglich – man muss nur wis­sen, wie.

Ladeverluste beim Elektroauto reduzieren

Lade­v­er­luste beim Elek­troau­to reduzieren begin­nt mit der Wahl der richti­gen Ladeart. Denn beim Laden gelangt nicht die gesamte bezahlte Energie in die Bat­terie. Ein Teil geht durch tech­nis­che Prozesse ver­loren. Der Bor­d­com­put­er zeigt diesen zusät­zlichen Energiebe­darf meist nicht an. Deshalb unter­schätzen viele Fahrer die tat­säch­lichen Ladekosten.

Der ADAC hat ver­schiedene Lade­si­t­u­a­tio­nen unter­sucht. Dabei wur­den AC-Laden zu Hause und DC-Laden unter­wegs ver­glichen. Die Ergeb­nisse zeigen deut­liche Unter­schiede:

  • An der Haushaltssteck­dose entste­hen die höch­sten Lade­v­er­luste.
  • Eine Wall­box arbeit­et deut­lich effizien­ter.
  • Beim DC-Schnel­l­laden sind die Umwand­lungsver­luste beson­ders niedrig.
  • Die Bat­teri­etem­per­atur kann beim Schnel­l­laden zusät­zliche Ver­luste verur­sachen.
  • Eine hohe AC-Ladeleis­tung reduziert die zeitab­hängi­gen Neben­ver­brauch­er.

Warum entstehen Ladeverluste beim Elektroauto?

Lade­v­er­luste entste­hen durch mehrere tech­nis­che Vorgänge. Die Trak­tions­bat­terie eines Elek­troau­tos spe­ichert Gle­ich­strom. Das Strom­netz liefert dage­gen Wech­sel­strom. Beim AC-Laden muss das Fahrzeug deshalb den Strom umwan­deln. Diese Auf­gabe übern­immt das On-Board-Ladegerät. Dabei entste­ht ein Teil der Lade­v­er­luste.

Zusät­zlich benöti­gen ver­schiedene Sys­teme während des Lade­vor­gangs Energie. Dazu gehören Steuerg­eräte und das 12-Volt-Bor­d­netz. Auch Ladek­a­bel, Leitun­gen und die Bat­terie verur­sachen geringe Ver­luste. Je länger ein Lade­vor­gang dauert, desto stärk­er kön­nen Neben­ver­brauch­er ins Gewicht fall­en. Genau dieser Effekt zeigt sich beson­ders beim Laden an der Haushaltssteck­dose. Dort ist die Ladeleis­tung ver­gle­ich­sweise niedrig.

AC-Laden zu Hause: Steckdose oder Wallbox?

Zu Hause ste­hen Elek­troau­to-Fahrern ver­schiedene Lademöglichkeit­en zur Ver­fü­gung. Beson­ders ver­bre­it­et sind Haushaltssteck­dose und Wall­box. Die Haushaltssteck­dose ist tech­nisch ein­fach nutzbar. Für regelmäs­siges Laden ist sie jedoch nicht die beste Lösung.

Eine Wall­box bietet dage­gen höhere Ladeleis­tun­gen. Je nach Fahrzeug und Instal­la­tion sind bis zu 11 oder 22 Kilo­watt möglich. Dadurch verkürzt sich die Ladedauer deut­lich. Gle­ichzeit­ig sinken die prozen­tualen Lade­v­er­luste.

Ladeverluste an der Haushaltssteckdose

Das Laden an der Haushaltssteck­dose verur­sacht im ADAC-Test die höch­sten Ver­luste. Die getesteten Fahrzeuge zeigten dabei deut­liche Unter­schiede.

Beim Mer­cedes CLA EQ wur­den Ver­luste von bis zu 24,2 Prozent gemessen. Beim Tes­la Mod­el Y lagen sie dage­gen bei 12,7 Prozent. Der VW ID.7 erre­ichte einen Wert von 15,3 Prozent. Die Ergeb­nisse zeigen damit erhe­bliche Unter­schiede zwis­chen den Fahrzeu­gen.

Ein Grund liegt in der Ladeleis­tung. Bei geringer Leis­tung dauert der Lade­vor­gang deut­lich länger. Während dieser Zeit bleiben ver­schiedene elek­trische Sys­teme aktiv. Dadurch steigt der Energiebe­darf für Neben­ver­brauch­er. Auch die elek­trische Hausin­stal­la­tion kann eine Rolle spie­len. Lange Leitun­gen kön­nen zusät­zliche Ver­luste verur­sachen. Bei älteren Instal­la­tio­nen sollte deshalb ein Fach­be­trieb die Eig­nung prüfen. Das gilt beson­ders bei dauer­haft hoher Belas­tung.

Wallbox reduziert die Ladeverluste

Die Wall­box arbeit­et beim AC-Laden wesentlich effizien­ter. Im ADAC-Test lagen die Ver­luste bei 11 oder 22 Kilo­watt zwis­chen 5,1 und 7,0 Prozent. Damit waren die Ver­luste unge­fähr halb so hoch wie an der Haushaltssteck­dose. Die höhere Ladeleis­tung verkürzt ausser­dem die Betrieb­szeit der Neben­ver­brauch­er.

Eine Wall­box bietet zusät­zlich mehr Kom­fort und Sicher­heit. Deshalb lohnt sie sich für regelmäs­siges Laden zu Hause beson­ders. Wer Lade­v­er­luste beim Elek­troau­to reduzieren möchte, sollte daher möglichst eine Wall­box nutzen.

Photovoltaik-Laden: Wie hoch sind die Verluste?

Immer mehr Elek­troau­to-Fahrer laden mit selb­st erzeugtem Solarstrom. Beson­ders inter­es­sant ist dabei über­schüs­siger PV-Strom. Das Fahrzeug wird häu­fig mit ein­er reduzierten Ladeleis­tung geladen. Dadurch kann die Nutzung des eige­nen Solarstroms max­imiert wer­den. Im ADAC-Test lagen die Lade­v­er­luste beim PV-Über­schus­s­laden zwis­chen 8,0 und 12,8 Prozent.

Diese Werte sind höher als beim schnellen Wall­box-Laden. Trotz­dem kann das Ver­fahren wirtschaftlich sin­nvoll sein. Der Grund liegt im gün­sti­gen oder selb­st erzeugten Strom. Dadurch fall­en die zusät­zlichen Energiev­er­luste weniger stark ins Gewicht.

So lassen sich AC-Ladeverluste reduzieren

Beim Wech­sel­strom-Laden gilt eine ein­fache Faust­formel. Je höher die Ladeleis­tung ist, desto kürz­er dauert der Lade­vor­gang. Dadurch sinkt der rel­a­tive Energiebe­darf der Neben­ver­brauch­er. Deshalb ist eine möglichst hohe Ladeleis­tung meist effizien­ter. Wer Lade­v­er­luste beim Elek­troau­to reduzieren möchte, sollte deshalb die Wall­box sin­nvoll nutzen. Eine hohe Ladeleis­tung ist dabei beson­ders bei kurzen Lade­vorgän­gen inter­es­sant. Für PV-Über­schus­s­laden kann eine niedrigere Leis­tung trotz­dem sin­nvoll sein. Hier ste­ht die Nutzung des eige­nen Solarstroms im Vorder­grund.

DC-Laden unterwegs: Warum sind die Verluste geringer?

Beim DC-Schnel­l­laden funk­tion­iert die Stro­mumwand­lung anders. Die Ladesäule liefert bere­its Gle­ich­strom an das Fahrzeug. Das On-Board-Ladegerät übern­immt deshalb nicht die gle­iche Umwand­lung wie beim AC-Laden. Dadurch sinken die entsprechen­den Umwand­lungsver­luste. Die ADAC-Mes­sun­gen bestäti­gen diesen Vorteil. Die Umwand­lungsver­luste der Schnel­l­ladesäule lagen durch­schnit­tlich bei rund drei Prozent. Allerd­ings entste­hen beim Schnel­l­laden andere Energiev­er­luste. Beson­ders wichtig ist dabei die Tem­per­atur der Bat­terie.

Batterietemperatur beeinflusst die Ladeverluste

Lithi­um-Ionen-Bat­te­rien arbeit­en inner­halb eines bes­timmten Tem­per­aturbere­ichs beson­ders effizient. Bei hohen Lade­strö­men entste­ht zudem Wärme. Das Fahrzeug muss die Bat­terie deshalb teil­weise aktiv kühlen. Dafür wird zusät­zliche Energie benötigt.

Bei niedri­gen Tem­per­a­turen entste­ht ein anderes Prob­lem. Die Bat­terie muss vor dem Schnel­l­laden häu­fig erwärmt wer­den. Diese Energie ste­ht später nicht zum Fahren zur Ver­fü­gung. Trotz­dem wird sie aus dem Strom­netz bezo­gen und bezahlt. Im ADAC-Test verur­sachte das Aufheizen der Bat­terie zusät­zliche Ver­luste von zwei bis acht Prozent. Damit bee­in­flusst die Aussen­tem­per­atur die Effizienz des Schnel­l­ladens erhe­blich.

Vorkonditionierung spart Zeit, aber nicht unbedingt Energie

Viele Elek­troau­tos kön­nen ihre Bat­terie vor einem Schnel­l­ladestopp vorkon­di­tion­ieren. Dabei wird die Bat­terie bere­its während der Fahrt auf die passende Tem­per­atur gebracht. Das kann den Lade­vor­gang an der Säule beschle­u­ni­gen. Der Energiebe­darf ver­schwindet dadurch jedoch nicht.

Die benötigte Heizen­ergie wird lediglich vor dem Ladestopp einge­set­zt. Dadurch steigt der Energie­ver­brauch während der Anfahrt. An der Ladesäule fällt anschliessend weniger zusät­zliche Energie für das Heizen an. Ins­ge­samt muss deshalb zwis­chen Zeit­erspar­nis und Energieef­fizienz unter­schieden wer­den.

Wie hoch sind die Verluste beim DC-Schnellladen?

Der ADAC unter­suchte vier Elek­troau­tos unter ver­schiede­nen Bedin­gun­gen. Dazu gehörten der Hyundai Ion­iq 6 und der Renault Mégane E‑Tech Elec­tric. Auch das Tes­la Mod­el Y und der VW ID.3 wur­den getestet. Pro Szenario wur­den jew­eils 30 Kilo­wattstun­den geladen. Unter­sucht wur­den drei unter­schiedliche Bedin­gun­gen:

  • warme Bat­terie nach Fahrt oder Vorkon­di­tion­ierung
  • kalte Bat­terie nach Fahrt oder Vorkon­di­tion­ierung
  • kalte Bat­terie ohne vorherige Fahrt oder Vorkon­di­tion­ierung


Die Mes­sun­gen berück­sichtigten die Energie aus dem Strom­netz. Zusät­zlich wurde die Energie nach der Ladesäule gemessen. Entschei­dend war ausser­dem die tat­säch­lich in der Bat­terie gespe­icherte Energie. Als Ver­lust gilt jede Energie ohne späteren Nutzen für das Fahren. Ins­ge­samt lagen die Energiev­er­luste beim DC-Laden zwis­chen fünf und 15 Prozent.

AC oder DC: Welche Ladeart ist effizienter?

Beim reinen Energiev­er­lust kann DC-Laden Vorteile bieten. Das gilt vor allem bei opti­maler Bat­teri­etem­per­atur. Sobald Heizen oder Kühlen erforder­lich wird, schrumpft dieser Effizien­zvorteil. Deshalb hängt die tat­säch­liche Effizienz stark von den Bedin­gun­gen ab.

Bei den Kosten sieht das Ergeb­nis anders aus. Öffentlich­es DC-Laden ist häu­fig deut­lich teur­er als Laden zu Hause. Der Effizien­zvorteil kann diesen Preisun­ter­schied meist nicht aus­gle­ichen. Nur bei iden­tis­chen Preisen pro Kilo­wattstunde kann DC-Laden gün­stiger sein. Für den All­t­ag bleibt deshalb AC-Laden zu Hause beson­ders attrak­tiv.

Ladeverluste beim Elektroauto reduzieren: Die besten Tipps

Mit eini­gen Mass­nah­men lassen sich unnötige Ver­luste ver­mei­den. Beson­ders wichtig ist die Wahl der Ladeleis­tung.

  • Nutze zu Hause möglichst eine geeignete Wall­box.
  • Lade an der Wall­box möglichst mit hoher Leis­tung.
  • Ver­mei­de regelmäs­siges Laden an der Haushaltssteck­dose.
  • Nutze über­schüs­si­gen PV-Strom sin­nvoll.
  • Achte beim Schnel­l­laden auf die Bat­teri­etem­per­atur.
  • Nutze die Vorkon­di­tion­ierung für kürzere Ladestopps.
  • Berück­sichtige beim Ver­gle­ich auch die Stromkosten.
  • Lasse ältere Elek­troin­stal­la­tio­nen fachgerecht prüfen.


Dabei sollte die max­i­male Ladeleis­tung zum Fahrzeug passen. Eine höhere Leis­tung ist nicht immer möglich oder sin­nvoll.

Was Autohersteller gegen Ladeverluste tun können

Auch die Her­steller haben Möglichkeit­en, Lade­v­er­luste weit­er zu senken. Beson­ders wichtig ist dabei die Effizienz des On-Board-Ladegeräts. AC-Laden macht einen grossen Teil der täglichen Lade­vorgänge aus. Deshalb bietet dieser Bere­ich erhe­blich­es Einspar­poten­zial.

Auch das 12-Volt-Bor­d­netz sollte während des Ladens möglichst wenig Energie ver­brauchen. Unnötig aktive Steuerg­eräte erhöhen die Ver­luste. Zudem soll­ten Her­steller die tat­säch­lichen Lade­v­er­luste trans­par­ent kom­mu­nizieren. Ver­brauch­er kön­nten dadurch effizien­ter laden und Kosten bess­er ver­gle­ichen.

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