Anonym reisen und ohne Smartphone ein Billett lösen bleibt im öV möglich. Das BAV hat die Vorgaben für die Vertriebskanäle präzisiert. Reisende erhalten neue Rechte, aber auch klare Grenzen. Der Überblick zeigt, was ab Sommer 2027 und ab Ende 2028 gilt.
Anonymes Reisen im öV bedeutet keine Datenspur zum Reiseweg
Ein anonymes Ticket schützt vor allem den Reiseweg. Das Unternehmen darf nicht speichern, wann sich eine Person in welchem Fahrzeug befand. Wer anonym reisen will, greift deshalb zu bewährten Mitteln. Der Automat funktioniert ohne Konto, ebenso die Mehrfahrtenkarte am Entwerter. Auch der bediente Schalter bleibt eine anonyme Option.
Das Zahlungsmittel entscheidet nicht über die Anonymität
Viele Reisende halten Bargeld für zwingend. Das BAV trennt Zahlung und Datenschutz jedoch klar. Wer mit Kreditkarte zahlt, reist trotzdem anonym, sofern niemand den Reiseweg verknüpft. Eine IP-Adresse allein gilt ebenfalls nicht als Personendatum. Abonnemente wie GA und Halbtax dürfen weiterhin personalisiert bleiben. Abo-Besitzende erhalten aber eine anonyme Reisemöglichkeit, etwa mit Karte statt App.
Reisende ohne Smartphone behalten ihre Kaufmöglichkeiten
Nicht alle Reisenden besitzen ein Smartphone oder wollen eines nutzen. Für diese Gruppe verlangt das BAV verlässliche Alternativen beim Ticketkauf. Automat, Schalter oder Telefonverkauf auf ein Trägermedium erfüllen diese Anforderung. Der Kauf muss dabei bis 30 Minuten vor Abfahrt möglich sein. Zusätzlich untersagt das BAV unverhältnismässige Mehrkosten. Ein Servicezuschlag über dem Ticketpreis wäre folglich unzulässig.
Bargeld bleibt am bedienten Schalter möglich
Automaten und Fahrpersonal müssen keine Noten und Münzen annehmen. Trotzdem darf ein System nicht ausschliesslich persönliche Debit- oder Kreditkarten voraussetzen. Die öV-Prepaid-Karte gilt dem BAV als ausreichende Antwort. An bedienten Schaltern kaufen Reisende Tickets weiterhin bar und laden die Karte auf.
Diese Fristen gelten für die Transportunternehmen
Die Umstellung läuft in mehreren Schritten. Bis Ende Juli 2027 müssen alle Unternehmen faire Lösungen für Nichtdigitale bieten. Bis Ende 2028 folgt das spontane anonyme Reisen unmittelbar vor der Abfahrt. Bis dahin bleiben funktionsfähige und regelmässig genutzte Entwerter in Betrieb. Ebenso laufen Automaten an hoch frequentierten Umsteigepunkten weiter.
Reisende können sich beim BAV melden
Reisende stehen den Vorgaben nicht machtlos gegenüber. Wer Mängel feststellt, kann eine Aufsichtsanzeige beim BAV einreichen. Eine solche Anzeige verschafft allerdings keine Parteirechte im Verfahren. Setzt die Branche die Vorgaben nicht um, prüft das BAV eine aufsichtsrechtliche Verfügung.
Was bedeutet anonymes Reisen im öV genau?
Anonym reist, wessen Reiseweg und Reisezeit das Transportunternehmen keiner bestimmten Person zuordnen kann.
Wie kaufe ich heute ein anonymes Ticket?
Am einfachsten gelingt dies am Ticketautomaten, mit einer Mehrfahrtenkarte am Entwerter oder am bedienten Schalter.
Muss ich bar bezahlen, um anonym zu reisen?
Nein, denn das Zahlungsmittel beeinflusst die Anonymität nicht, solange niemand den Reiseweg mit der Zahlung verknüpft.