TCS und BFU fordern mehr Bremsbereitschaft auf dem Schulweg. Nach den Sommerferien sind wieder tausende Kinder zu Fuss unterwegs. Viele von ihnen kennen ihren Schulweg noch kaum. Gleichzeitig fahren Erwachsene in gewohnter Routine zur Arbeit. Genau diese Kombination erhöht das Risiko im Quartier.
Über 700 Kinder verunfallen jährlich im Strassenverkehr
Laut BFU verunfallen jedes Jahr über 700 Kinder bis 14 Jahre im Strassenverkehr. Sie sind dabei zu Fuss, mit dem Trottinett oder mit dem Velo unterwegs. Rund 40 Prozent dieser Unfälle passieren auf dem Schulweg. Kinder schätzen Distanzen und Geschwindigkeiten noch nicht zuverlässig ein. Zudem fällt es ihnen schwer, Geräusche zu orten oder mehrere Gefahren gleichzeitig wahrzunehmen.
Kampagne Luege Brämse Halte rückt das Bremsen ins Zentrum
Der TCS führt die nationale Kampagne «Luege, Brämse, Halte» im zweiten Jahr durch. Auftraggeber ist der Fonds für Verkehrssicherheit. Im ersten Jahr stand die aufmerksame Wahrnehmung im Vordergrund. Nun rückt der TCS das Bremsen ins Zentrum. Denn wer nur die Höchstgeschwindigkeit einhält, fährt deswegen noch nicht angepasst.
Wenn dann Vorsätze durchbrechen den inneren Autopiloten
Die BFU beschreibt eine Lücke zwischen Wissen und Verhalten. Fast alle Lenkenden kennen die Gefahr, handeln unter Zeitdruck aber anders. Laut Andrea Uhr von der BFU begünstigt das gewohnheitsmässige Fahren diesen Effekt. Die BFU empfiehlt deshalb konkrete Wenn-dann-Vorsätze. Ein Beispiel ist der Vorsatz, bei Kindern am Strassenrand langsamer und bremsbereit zu fahren.
Interaktiver Test zeigt den Anhalteweg bei höherem Tempo
Der TCS ergänzt die Kampagne um einen interaktiven Test. Fahrzeuglenkende erleben darin typische Verkehrssituationen. Das Tool zeigt, wie stark die Geschwindigkeit den Anhalteweg verlängert. Besonders relevant ist das in Wohnquartieren und bei Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Auch an Orten mit eingeschränkter Sicht zählt jeder Kilometer pro Stunde.
Lastwagen tragen die Botschaft auf die Strasse
Zusätzlich lanciert der TCS die Initiative «Ich halte für jedes Kind ganz an». Der Nutzfahrzeugverband ASTAG und der Berufsverband Les Routiers Suisses machen mit. Aufkleber und Fahrzeugbeschriftungen bringen die Botschaft schweizweit auf Lastwagen. Berufschauffeure werden damit zu sichtbaren Botschaftern der Kampagne.
Bilanz des ersten Kampagnenjahres zeigt breite Beteiligung
Gemeinden und Polizeikorps nutzten im ersten Jahr rund 6’000 Plakatstandorte. Dazu kamen über 4’000 Banner und mehr als 90’000 verteilte Sensibilisierungsartikel. Über 1’000 Schulklassen beteiligten sich zudem an der Kampagne. Sie gestalteten rund 30’000 Duftfiguren für Fahrzeuglenkende. Diese Zahlen stammen vom TCS und belegen die Reichweite des Partnernetzwerks.
Eltern üben den Schulweg vor dem ersten Schultag
Der TCS rät Eltern, den Schulweg vor dem ersten Schultag gemeinsam abzugehen. Kinder sollten dabei sichere Querungsstellen und richtige Verhaltensweisen lernen. Helle Kleidung und reflektierende Elemente erhöhen die Sichtbarkeit zusätzlich. Wer mit Velo oder Trottinett fährt, übt die Strecke idealerweise mehrmals. Über den Dienst Safe2School Alert erhalten Interessierte zudem Hinweise zum Schulstart.
BFU verlangt zusätzlich strukturelle Massnahmen im Strassenraum
Sensibilisierung allein genügt der BFU nicht. Sie hält strukturelle Massnahmen für wirksamer. Dazu zählt sie sicherheitsorientierte Geschwindigkeitsregimes innerorts. Ebenso nennt sie eine selbsterklärende und fehlerverzeihende Infrastruktur. Schliesslich fordert sie, Sichthindernisse zu beseitigen und Querungsstellen regelmässig zu überprüfen.
Wie viele Kinder verunfallen in der Schweiz auf dem Schulweg?
Jährlich verunfallen über 700 Kinder bis 14 Jahre im Strassenverkehr, rund 40 Prozent davon auf dem Schulweg.
Was bedeutet der Merkspruch Luege Brämse Halte?
Er steht für aufmerksames Schauen, angepasstes Bremsen und vollständiges Anhalten vor Kindern.
Warum reicht das Einhalten der Höchstgeschwindigkeit nicht aus?
Kinder treten unvermittelt hinter Sichthindernissen auf die Strasse, weshalb Lenkende ihr Tempo den Umständen anpassen müssen.
Was sind Wenn-dann-Vorsätze der BFU?
Es sind konkrete Handlungsregeln für typische Situationen, die eingespielte Fahrgewohnheiten gezielt durchbrechen.
Welche strukturellen Massnahmen empfiehlt die BFU?
Sicherheitsorientierte Geschwindigkeitsregimes innerorts, fehlerverzeihende Infrastruktur, weniger Sichthindernisse und geprüfte Querungsstellen.