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Zapfpistole verwechselt und statt Diesel Benzin getankt?

Falsch getankt? — Was nun?

Verwechseln Sie Benzin mit Diesel oder umgekehrt, folgen teure Schäden am Motor und an der Abgas-Nachbehandlung. Stoppen Sie den Tankvorgang sofort, starten Sie den Motor nicht erneut und lesen Sie die Herstelleranleitung. Dieser Leitfaden erklärt Ursachen, konkrete Schritte bei Fehlbetankung und Kostenrisiken.
ADAC
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Bei Fehlbetankung sofort den Tankvorgang stoppen, Motor und Zündung aus, Herstellervorgaben beachten.
• Je nach Sorte: Abpumpen oder komplettes Treibstoffsystem prüfen; Kosten können hoch sein.
• Prävention durch korrekte Kennzeichnung, AdBlue-Sicherung und Herstellerhinweise beachten.

Wer aus Unacht­samkeit beim Tanken die Zapf­pis­tole ver­wech­selt hat, sollte sich im Klaren sein: Eine Fehlbe­tankung mit ein­er ungeeigneten Sprit­sorte hat grund­sät­zlich ungute Fol­gen. Min­destens bleibt der Motor ste­hen. Bei mod­er­nen Die­selfahrzeu­gen kann auch die empfind­liche Ein­spritzan­lage kost­spieli­gen Schaden nehmen,bei Ben­zin­ern die Abgas-Nach­be­hand­lung. Prinzip­iell gilt: In dem Moment, in dem Sie den Irrtum bemerken, sofort den Tankvor­gang stoppen.Danach den Motor nicht mehr starten und auch die Zün­dung aus­lassen.

Gründe für Fehlbetankung

  • Anstatt der früher üblichen räum­lichen Tren­nung von Ben­zin und Diesel gibt es immer mehr Sprit­sorten an ein­er Zapf­säule (Mul­ti-Dis­penser).

  • Die Ben­zin-Zapf­pis­tole passt häu­fig auch in Diesel-Ein­füll­stutzen und umgekehrt.

  • Mod­erne Diesel­mo­toren sind am Geräusch nur schw­er von Ben­zin­ern zu unter­schei­den (Miet­wa­gen!).

  • Wer­beaufk­le­ber auf den Zapf­pis­tolen sind oft gröss­er als die Sortenkennze­ich­nung.

  • Selt­same Sorten­beze­ich­nun­gen wie zum Beispiel Excel­li­um, Fuel Save, Maxx Motion, Supreme, Ulti­mate und V‑Power lassen nicht auf die Treib­stoff­sorte schliessen.

  • Die Pro­duk­t­beze­ich­nun­gen sind leicht zu ver­wech­seln. Pre­mi­um­sorten wie beispiel­sweise V‑Power oder Ulti­mate gibt es sowohl als Ben­zin- wie auch als Diesel­treib­stoff.

  • Sprit­sorten-Beschrif­tung auf dem Tankdeck­el fehlt oder ist zu klein.

  • Aut­o­fahrer beziehungsweise Aut­o­fahrerin ist unacht­sam oder ken­nt das Auto nicht (Miet­wa­gen, Car­pool, Car­shar­ing o.ä.).

  • Im Aus­land gibt es oft andere Beze­ich­nun­gen. Dort ste­ht beispiel­sweise an den Säulen für Diesel­treib­stoff etwa Gasóleo, Naf­ta, Mazot und Gazole. Um Fehlbe­tankun­gen zu ver­mei­den, wurde zumin­d­est eine EU-weit ein­heitliche Treib­stoff-Kennze­ich­nung einge­führt.

Beson­dere Vor­sicht ist beim Tanken aus Ersatz-Kanis­tern geboten. Diese haben zumeist kleine Ein­füll­rüs­sel, die sowohl in Ben­zin- als auch Diesel-Tankstutzen passen. In einem solchen Fall sollte man sich­er gehen, dass auch wirk­lich der richtige Treib­stoff einge­füllt wird. Im Zweifels­fall lieber einen anderen Kanis­ter benutzen und neu betanken.

Benzin statt Diesel getankt?

Auch bei kleinen Men­gen falschen Sprits im Tank die Fahrertür nicht öff­nen, denn dadurch läuft bei manchen Mod­ellen die Treib­stoff­pumpe schon an. Die Zün­dung nicht ein­schal­ten, den Motor nicht mehr anlassen respek­tive sofort anhal­ten und den Motor auss­chal­ten. In jedem Fall die Hin­weise des Fahrzeugher­stellers beacht­en (siehe z.B. Bedi­enungsan­leitung).

Wenn Sie wed­er Motor noch Zün­dung ges­tartet haben, genügt unter Umstän­den das Abpumpen des Ben­zin-Diesel-Gemis­ches aus dem Tank. Ist der Motor jedoch schon gelaufen, kann ein Aus­tausch des gesamten Ein­spritzsys­tems ein­schliesslich Hochdruck­pumpe, Injek­toren, Treib­stof­fleitun­gen und Tank erforder­lich sein. Das kann mehrere Tausend Franken kosten. In jedem Fall gilt: Beacht­en Sie stets die Hin­weise des Her­stellers.

Die Reparatur ist zwin­gend erforder­lich, wenn sich bere­its Späne im Treib­stoff­sys­tem gebildet haben. Denn selb­st wenn der Motor noch läuft, haben die Teile der Hochdruck-Ein­spritzan­lage bere­its Schaden genom­men, weil Ben­zin sofort den drin­gend benötigten Diesel-Schmier­film abwis­cht. Dies zeigt sich danach oft durch einen Pumpen-Totalschaden. Weit ver­bre­it­et ist der Irrglaube, etwas Ben­zin im Diesel schade nicht, vor allem im Win­ter. Das gilt heute nicht mehr.

Han­delt es sich hinge­gen um ein älteres Die­selfahrzeug (Wirbel- oder Vorkam­mer-Diesel, nicht Direk­tein­spritzer), so sind einige wenige Liter Ben­zin im anson­sten mit Diesel gefüll­ten Tank meist nicht schädlich.

Diesel statt Benzin getankt?

Auch bei kleinen getank­ten Men­gen gilt: Öff­nen Sie die Fahrertür nicht und lassen Sie den Motor nicht an. Wenn Sie die Fehlbe­tankung erst während der Fahrt bemerken, hal­ten Sie nach Möglichkeit sofort an und schal­ten den Motor aus. Find­en Sie keine Hin­weise in der Betrieb­san­leitung, set­zen Sie sich mit der Werk­statt des Fahrzeugher­stellers in Verbindung.

Je nach Motor und Menge des falschen Treib­stoffs kön­nen Sie entwed­er vor­sichtig weit­er­fahren (und immer wieder richti­gen Sprit nach­tanken) oder aber Sie müssen den Tank leer pumpen lassen. Schä­den an Ein­spritzan­lage und Abgas-Nach­be­hand­lung sind nicht auszuschliessen.

Obwohl die Diesel-Zapf­pis­tolen an Tankstellen einen grösseren Durchmess­er als die Ein­füll­stutzen bei Autos mit Otto­mo­tor haben, ist bei vie­len Ben­zin­er-Mod­ellen eine Fehlbe­tankung mit Diesel­treib­stoff möglich. Grund: Wurde bei älteren Fahrzeu­gen oft eine kleine Klappe im hin­teren Bere­ich des Ein­füll­stutzens ver­baut, die eine Fehlbe­tankung ver­hin­dert, ist dies bei aktuellen Mod­ellen meist nicht mehr der Fall. Die Diesel-Zapf­pis­tole lässt sich häu­fig in den ober­sten Teil des Ein­füll­stutzens ein­führen, teil­weise kann sie sich dort auch ein­hak­en – und eine Betankung mit Diesel ist möglich.

Super statt Super Plus getankt?

Haben Sie Super statt Super Plus getankt, kön­nen Sie auf ein Abpumpen verzicht­en, der soge­nan­nte Klopf­sen­sor des Fahrzeugs stellt sich auf die niedrigere Oktan­zahl von Super ein. Sehr alten Fahrzeu­gen, oft ohne Kat und ohne Klopf­sen­sor, sollte dann keine hohe Leis­tung abver­langt wer­den. Das bedeutet auf Höch­st­geschwindigkeit, Bergauf­fahrt und Anhän­ge­last erst ein­mal verzicht­en und Ben­zin der richti­gen Güte nach­tanken.

Super Plus statt Super getankt?

Wer Super Plus statt Super oder Super E10 getankt hat, muss sich keine Sor­gen machen und kann ein­fach weit­er­fahren. Einziger Wer­mut­stropfen: Man hat an der Tankstelle zu viel bezahlt. Die gängige Mei­n­ung, man könne mit Super Plus statt Super die Motor­leis­tung steigern, trifft übri­gens nicht zu, da die Motoren die höhere Qual­ität meist nicht aus­nutzen kön­nen.

Super E10 statt Super E5 getankt?

Das ist unbe­den­klich, wenn das Fahrzeug grund­sät­zlich für E10 freigegeben ist. Bei den aller­meis­ten Fahrzeu­gen ist dies der Fall. Infos dazu gibt der Her­steller. Andern­falls kann bere­its eine irrtüm­liche Tank­fül­lung mit E10 zu Schä­den führen. Im Falle ein­er Fehlbe­tankung mit E10 soll­ten Sie die Hin­weise des Fahrzeugher­stellers beacht­en.

Nach Ein­schätzung der ADAC Experten kann es jedoch aus­re­ichen, unverzüglich den Tank mit ein­er ethanolar­men Treib­stoff­sorte (am besten Super Plus) aufzufüllen, um damit wieder ein möglichst unkri­tis­ches Ethanol-Mis­chungsver­hält­nis zu erre­ichen. Haben Sie den Tank hinge­gen rand­voll mit E10 aufge­füllt, ist das Abpumpen des Treib­stoffs – je nach Vor­gabe des Her­stellers – erforder­lich.

AdBlue in den Dieseltank gefüllt?

Das Ein­füllen von AdBlue in den Dieseltank ist bei Fahrzeu­gen ohne Fehlbe­tankungss­chutz leicht möglich: etwa bei der Ver­wen­dung von han­del­süblichen 5- bzw. 10-Liter-Kanis­tern aus dem Bau- oder Super­markt mit ein­fachem Ein­füll­rohr. Doch egal, ob AdBlue in den Dieseltank gefüllt wurde oder umgekehrt: Die Folgeschä­den kön­nen ähn­lich kosten­in­ten­siv aus­fall­en wie eine Fehlbe­tankung mit Ben­zin. 

Sollte AdBlue in den Tank gefüllt wor­den sein und die Zün­dung wurde noch nicht eingeschal­tet, genügt üblicher­weise eine inten­sive Reini­gung des Tanks. Wird hinge­gen die Zün­dung eingeschal­tet, kann AdBlue in das empfind­liche Ein­spritzsys­tem gelan­gen. Da AdBlue sehr aggres­siv auf Rohre und Schläuche wirkt, kann das zu teuren Schä­den führen. Neben der Tankreini­gung müssen dann Treib­stoff­pumpen, Leitun­gen und Fil­ter erneuert wer­den. Gle­ich­es gilt dann für Ein­spritzdüsen oder Ein­spritz­in­jek­toren. 

Je nach Her­steller und Mod­ell sind die Empfehlun­gen nach ein­er Fehlbe­tankung allerd­ings etwas unter­schiedlich. Lesen Sie deshalb in der Bedi­enungsan­leitung Ihres Fahrzeugs nach oder kon­tak­tieren im Ern­st­fall Ihre Werk­statt.

Und umgekehrt? Dass Diesel­treib­stoff verse­hentlich in den AdBlue-Tank gefüllt wird, ist eher unwahrschein­lich: In den kleinen Ein­füll­stutzen (19,75 Mil­lime­ter Durchmess­er) passen die Kraft-Zapfrohre (Diesel 25 Mil­lime­ter, Ben­zin 21 Mil­lime­ter Durchmess­er) oder die üblichen Rohre von Reservekanis­tern nicht. Wer hier falsch “anset­zt”, sollte also schnell merken, dass etwas nicht stimmt.

ADAC testet, ob Fehlbetankung möglich ist

Im Rah­men des ADAC Autotests wird bei allen Mod­ellen geprüft, ob eine Fehlbe­tankung möglich ist. Dabei zeigt sich, dass die meis­ten Dieselmod­elle mit einem Fehlbe­tankungs-Schutz aus­gerüstet sind. Bei Ben­zin­ern fehlt dieser aber oft. Neg­a­tive Abwe­ichun­gen sind im jew­eili­gen Autotest-PDF im Kapi­tel “All­t­agstauglichkeit” aufge­führt.

Übri­gens: Wer falsch getankt hat, muss die Kosten durch Abpumpen des Sprits oder die Schä­den am Treib­stoff­sys­tem in der Regel selb­st bezahlen. Die Autover­sicherung zahlt hier meist nicht.

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