Die Elektroauto-Reichweite ist im Winter deutlich reduziert. Dies geht aus einem neuen Test des Touring Clubs Schweiz (TCS) hervor. Der TCS hat dabei nachgewiesen, dass kalte Temperaturen die Reichweite von Elektroautos derart stark beeinflussen, dass die Distanz im Winter deutlich von den Hersteller-Angaben gemäss WLTP-Norm abweichen. Diese Normtests erfolgen bei idealen Bedingungen, doch im harten Winteralltag sinkt die Reichweite merklich.
Denn die Kälte wirkt auf den Akku wie auf andere Technikkomponenten zugleich: Die Batteriechemie läuft langsamer und das Auto muss zusätzliche Energie für Heizung und Komfortsysteme verwenden. Deshalb reduziert sich die Reichweite im Winter um bis zu 25 % oder mehr. Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, überrascht in dieser Form dennoch.
Warum sinkt die Reichweite von Elektroautos im Winter?
Die Kälte beeinflusst mehrere Faktoren zugleich:
- Der Akku liefert weniger nutzbare Energie.
- Die Heizung und Akku-Vortemperierung verbrauchen Strom.
- Sichtsysteme, Assistenz und Licht nutzen zusätzliche Energie.
Dadurch kann ein Elektrofahrzeug, das im Sommer noch 400 km schafft, im Winter oft nur 300 km oder weniger weit fahren. Dieser Effekt tritt besonders bei Autobahnfahrten auf, wo konstante höhere Geschwindigkeiten und Heizung steigen.
Realistische Wintertests statt Normwerte
Die TCS betont in seiner Analyse, dass Normwerte auf dem Prüfstand für Alltagsszenarien nicht genügen würden. Denn sie basieren auf idealen Laborbedingungen, die im Winter selten bis kaum erreicht werden. Tests mit realer Strecke zeigen stark unterschiedliche Verbrauchs- und Reichweitenverläufe.
Reichweite: Welches Elektroauto wie weit kommt
Ein Praxistest mit 14 Modellen auf einem 580 km-Kurs bei rund 0°C zeigte erhebliche Unterschiede zwischen Fahrzeugen (vgl. Grafik des TCS). Einige Modelle schafften die Strecke mit nur einem Halt, andere brauchten mehrere Stopps.
Im Test erzielte der Audi A6 Avant e‑tron performance das beste Gesamtergebnis und erreichte 441 Kilometer mit nur einem Ladehalt. Die bestplatzierten Modelle zeigen, dass eine lange Winterfahrt mit wenigen Stopps möglich ist: Der Audi A6 Avant e‑tron und der Smart #5 Premium gehören zu den wenigen Fahrzeugen, die das Ziel mit nur einem 20-minütigen Ladestopp erreichen konnten.
Am anderen Ende des Feldes finden sich Modelle mit deutlich kürzerer Reichweite. Der Volvo EX90 Twin Motor AWD belegt eine der hinteren Positionen, während der BYD Sealion 7 Excellence AWD das schwächste Resultat erzielte: Trotz grosser Batteriekapazität blieb er bei den vorherrschenden Bedingungen unter 300 Kilometer Reichweite, was häufigere oder längere Stopps erforderlich macht.
Tipps, um Reichweitenverluste zu reduzieren
TCS empfiehlt einige bewährte Massnahmen für den Winter:
- Vortemperieren, solange das Auto am Ladegerät hängt.
- Aufwärmen des Innenraums vor Fahrtbeginn reduziert späteren Energieverbrauch.
- Fahrstil anpassen: sanft beschleunigen und vorausschauend fahren.
- Reifen und Winterausrüstung prüfen, um Rollwiderstand zu verringern.
Diese Schritte helfen, die Reichweite stabiler zu halten und die Batterie schonender zu nutzen.
Wie stark sinkt die Reichweite von Elektroautos im Winter?
Im Winter sinkt die Reichweite oft bis zu 25 % gegenüber WLTP-Normwerten.
Warum reduziert Kälte die Reichweite?
Die Kälte dämpft die Akku-Leistung und erhöht den Energieverbrauch für Heizung und Komfort.
Was bedeutet WLTP für Elektroautos?
WLTP-Normwerte messen Reichweite unter idealen Laborbedingungen, die im Winter selten erreicht werden.
Welche Tipps gibt der TCS für Elektroautos für den Winterbetrieb?
TCS empfiehlt Vortemperieren, angepassten Fahrstil und Winterreifen für mehr Reichweite.
One Response
Die Testergebnisse kann ich mit meinem Toyota bZ4X (Modelljahr 2024) bestätigen. Im zweiten Winter, bei rund 22’000 km Laufleistung, erreiche ich mit der 74-kWh-Batterie nur noch etwa 170 km Reichweite.
Gefahren wird überwiegend Autobahn und Überland, mit eingeschalteter Heizung.
Zum Vergleich: Die offiziellen Herstellerangaben liegen bei 415–513 km WLTP.