Jeden Tag transportieren Millionen Fahrzeuge Lebensmittel, Medikamente, Baumaterialien und Pakete durch Europas Metropolen. Wie wirtschaftlich diese Transporte erfolgen, hängt jedoch stark von der jeweiligen Verkehrsstruktur und deren Planbarkeit ab.
Die Frachteffizienz europäischer Städte
Der Index zur Frachteffizienz europäischer Städte von Geotab zeigt erhebliche Unterschiede bei der Effizienz des urbanen Güterverkehrs. Berlin erreicht den Spitzenplatz mit 61 von 100 Punkten. Madrid bildet mit lediglich 25 Punkten das Schlusslicht. Zwischen beiden Städten liegt eine Effizienzlücke von 144 Prozent.
Warum Berlin beim Güterverkehr Spitzenreiter ist
Berlin überzeugt durch seine polyzentrische Stadtstruktur. Dadurch verteilt sich der Verkehr auf mehrere Hauptachsen. Gleichzeitig bleiben Staus besser beherrschbar und Fahrzeiten stabil.
Auch Amsterdam zeigt, dass eine gut abgestimmte Infrastruktur Vorteile bringt. Optimierte Ampelschaltungen sorgen dafür, dass Fahrzeuge kontinuierlich fahren. Dadurch sinken Leerlaufzeiten und Treibstoffverbrauch.
Verkehrsfluss statt Verkehrsdichte entscheidet über Effizienz
Der Bericht macht deutlich, dass nicht allein die Verkehrsdichte ausschlaggebend ist. Viel wichtiger ist ein gleichmässiger Verkehrsfluss. Langsamer Verkehr kann deshalb effizient sein, wenn Fahrzeuge ohne häufiges Anhalten unterwegs sind.
Rom bestätigt diese Erkenntnis. Trotz hoher Verkehrsdichte entstehen vergleichsweise geringe Leerlaufzeiten. London zeigt dagegen das Gegenteil. Häufiges Bremsen und Anfahren erhöhen Treibstoffverbrauch, Emissionen und Betriebskosten.
Planbare Logistik senkt Kosten und Emissionen
Neben der Infrastruktur spielt das Flottenmanagement eine zentrale Rolle. Unternehmen profitieren von einer präzisen Einsatzplanung, festen Lieferfenstern und intelligenten Routen. Unvorhersehbare Verkehrsbedingungen führen dagegen zu zusätzlichen Pufferzeiten, verpassten Lieferterminen und steigenden Betriebskosten. Vernetzte Fahrzeugdaten schaffen Transparenz und ermöglichen fundierte Entscheidungen.
Edward Kulperger, Senior Vice President EMEA bei Geotab, betont, dass nicht die Menge des Verkehrs entscheidend ist. Ausschlaggebend sei vielmehr dessen Vorhersehbarkeit. Vernetzte Fahrzeugdaten helfen Flotten, Städte und politische Entscheidungsträger dabei, Verkehrsabläufe gezielt zu verbessern.
Die Methodik zur Eruierung der Frachteffizienz europäischer Städte
Der Index bewertet sieben europäische Städte auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Grundlage sind Daten aus dem gesamten Jahr 2025.
Die Bewertung setzt sich aus zwei Faktoren zusammen:
- Verkehrsfluss (75 Prozent): Stauaufkommen, freie Verkehrszeiten und Fahrzeitvariabilität.
- Kosten von Staus (25 Prozent): Leerlaufanteil als Indikator für ineffiziente Verkehrsabläufe.
Für die Gesamtbewertung werden Personenwagen und Lastwagen im Verhältnis 60 zu 40 gewichtet. Die Daten stammen aus der Geotab-Plattform und basieren auf einer Stichprobe vernetzter Fahrzeuge.
Auf einen Blick
- Die Rangliste: Berlin führt den Index mit einem Wert von 61 an, gefolgt von Amsterdam (59), Dublin (49), Rom (48), Paris (37), London (29) und Madrid (25). Eine Effizienzlücke von 144 % trennt Rangführer Berlin vom letzten Platz Madrid.
- Die Kosten des Stillstands: Die vernetzten Fahrzeuge in dieser Studie verbrauchten 2025 schätzungsweise 1,58 Millionen Liter Treibstoff im Leerlauf — das entspricht rund 2,6 Millionen Euro Leerlaufverlust über zwölf Monate.
- Stau als entscheidender Faktor: Die Leistungsunterschiede zwischen den Städten werden überwiegend durch das Staumanagement bestimmt — nicht durch das Fahrzeugverhalten. Der Unterschied zwischen Berlin und Madrid beim Verkehrsfluss beträgt das 3,8‑Fache.
- Betriebliche Disziplin zahlt sich aus: In fünf von sieben Städten schneiden LW-Fuhrparks besser ab als PW-Fuhrparks — nicht aufgrund anderer Technologien, sondern dank strukturierter Routenplanung, geplanter Lieferfenster und frachtspezifischer Infrastruktur. Die Daten zeigen, was betriebliche Disziplin in grossem Massstab bewirkt.
Zentrale Ergebnisse des Reports
Im Jahr 2025 verbrauchten die untersuchten Fahrzeuge rund 1,58 Millionen Liter Treibstoff im Leerlauf. Dadurch entstanden geschätzte Leerlaufkosten von etwa 2,6 Millionen Euro.
Ausserdem zeigt die Studie, dass Lastwagen-Flotten in fünf der sieben Städte effizienter arbeiten als Personenwagen. Ursache sind strukturierte Tourenplanung, definierte Lieferfenster und frachtspezifische Infrastruktur.