Seit 2021 ist in der Schweiz das Fahren mit 17 erlaubt – allerdings nur mit einer verpflichtenden einjährigen Lernphase bis zum Erreichen des 20. Altersjahres. Was einst als Beitrag zur Verkehrssicherheit gedacht war, sorgt seit längerem für Kritik, Frust und politischen Druck. Die Fahrlehrerschaft schlägt Alarm. Jugendliche sind teilweise unzufrieden und schieben die Ausbildung auf. Und auch Mitglieder des Parlaments wollen eine neue Regelung, wie L‑drive Schweiz auf der Website des Verbandes informiert. Doch der Bundesrat und das zuständige Bundesamt für Strassen (ASTRA) verweisen bisher ausschliesslich auf die noch ausstehende Evaluation. Diese ist für Ende 2025 angekündigt.
Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer warnen: Ausbildung leidet, Sicherheit sinkt
Die 2018 beschlossene Revision «Opera‑3» hat das Schweizer System der Fahrausbildung komplett umgekrempelt — zum Leidwesen der Fahrlehrerschaft und der Jugendlichen. Neben der Abschaffung des Automaten-Eintrags und Anpassungen bei Motorradkategorien wurde auch das Fahren ab 17 mit einer obligatorischen einjährigen Lernphase eingeführt. Eine Massnahme, die viel Frust verursacht und wahrscheinlich – so die Befürchtung von Fachleuten – kaum Wirkung zeigt. Denn statt mehr Fahrpraxis zu fördern, hat die Reform laut Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern das Gegenteil bewirkt: Weniger motivierte Juigendliche, weniger Ausbildung – und mehr Unfälle. Letzteres zeigt sich bedauerlicherweise auch in den Verkehrssicherheitsstatistiken:
Während die EU zwischen 2019 und 2023 einen Rückgang der Verkehrstoten um 10 % verzeichnete, stiegen sie in der Schweiz im gleichen Zeitraum um 26 %. Der Handlungsbedarf scheint gegeben.
L‑drive Schweiz bei Bundesrat Rösti
Der Fahrlehrerverband L‑drive Schweiz hat deshab denn auch bereits das Gespräch mit Bundesrat Albert Rösti gesucht und Forderungen deponiert:
- Aufhebung der einjährigen Lernphase ab 18 Jahren
- Prüfung eines zweiten WAB-Tags
- Anpassungen bei der Motorradgrundausbildung
Vor allem jedoch machte der Verband klar: Jetzt muss rasch gehandelt werden statt immer nur auf die angekündigte Evaluation hinzuweisen.
Politik macht Druck – zwei Motionen und ein Postulat
Schon Ende 2023 reichten zudem die Nationalräte Mike Egger (SVP) und Andri Silberschmidt (FDP) gleichlautende Motionen ein. Sie wollen die einjährige Lernphase nach Erreichen des 18. Altersjahres abschaffen. Der Bundesrat verweist indessen auch bei diesen beiden gleichlautenden Vortstössen auf frühere Ablehnungen hin und bleibt zurückhaltend. Eine offizielle Reaktion gibt es bislang nicht. Man wolle die Evaluation abwarten, heisst es.
Jetzt wird der Druck jedoch erhöht: Ständerat Charles Juillard (Die Mitte) will mit einem Postulat Klarheit schaffen – und das noch vor der offiziellen Evaluation. Seine Forderung: Der Bundesrat soll darlegen, ob das Fahren mit 17 überhaupt etwas bringt – oder ob die Regelung gestrichen werden kann.
Entscheidung schon im Herbst möglich
Das Besondere: Anders als die Motionen im Nationalrat dürfte das Postulat bereits in der Herbstsession im Ständerat behandelt werden. Eine Annahme würde den Ball direkt zum Nationalrat spielen – noch im Dezember.
Kommt es so weit, müsste das Bundesamt für Strassen (ASTRA) konkrete Massnahmen vorschlagen. Und vor allem: Das Parlament hätte das letzte Wort. Die einjährige Lernphase könnte damit schneller Geschichte sein, als man denkt. Juillards Vorstoss hat in der Kleinen Kammer, die bisweilen als grössere Hürde für Änderungen gesehen wird, durchaus Chancen. Denn neben Ständeräten der Mitte haben auch SVP‑, FDP- und SP-Vertreter das Anliegen mitunterzeichnet.
7 Responses
Wenn man Ehrlich ist, merkt jeder wie verunsichert die Auto‘s mit L hintendran sind. Auch alles Auto‘s ab Golf 7 Generation (Audi,Seat,Skoda und VW) dürfte man nicht als Lernfahrzeige benutzen da wenn die Mama die Handbremse zieht und der Fahrlehrling Gas gibt die Bremswirkung aufgehoben wird! Auch sollten Pflichtstunden beim Fahrlehrer Pflicht sein! Danke
Private Lernfahrten müssen verboten werden
Bevor Privatfahrten erlaubt werden, müssten 8 bis 10 Fahrstunden beim Fahrlehrer obligatorisch sein. Die meisten Begleitpersonen kennen selber kaum noch die Verkehrsregeln! Blicksystematik, Einspuren, wer macht das heute noch, der schon seit 2 oder mehr Jahren fährt? Gefahren Sensibilisierung würde auch den Begleitpersonen wieder mal gut tun!! Die einjährige Lernfrist bringt nur denen etwas, die diese Zeit auch wirklich nutzen und dies sind nur ein kleiner Teil.
Vielleicht sollten wir anordnen; wer als Begleitperson fungiert, sollte vorher selber eine Fahrprüfung ablegen müssen!
Ein Fahrlehrer muss eine Ausbildung absolvieren, die einem Masterabschluss entspricht und 30’000 Franken kostet. Es kann doch nicht sein, dass die Eltern eines Jugendlichen die Rolle des Fahrlehrers übernehmen. Sie haben nicht einmal die Möglichkeit, zu bremsen! Das stellt eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmenden dar. Hier muss unbedingt etwas geändert werden. Ein Doktor ist ein Doktor – da können die Eltern ja auch nicht einfach „doktorspielen“.
Mann sollte nach der Motorradprüfung A- (-35kw)nicht 2.Jahre warten müssen bis man die Katogerie A(ab 35kw-)absolwieren kann.Es gibt keine grosse Unterschied
In Deutschland sind die Verkehrstoten um 10% zurück gegangen in der Schweiz sind sie gestiegen. In Deutschland gibt es keine privaten Fahrlehrer nur ausgebildete Fahrlehrer. Ich sehe auch da einen Zusammenhang.
Es gibt nur eine ehrliche und vernünftige Lösung. 12 Pflichtlektionen bei einer Fahrschule. Dann muss die 1 jährige Lernphase ab 18 Jahren wegfallen. Das war ein unglücklicher Entscheid, der alle bestraft, die sich zügig mit Hilfe einer Fahrschule auf das Auto-mobile-Leben vorbereiten wollen.