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Fahrausbildung

Einjährige Lernphase: Politik bringt Bewegung in die Debatte

Fahren mit 17, Lernphase von einem Jahr – das aktuelle System zum Erwerb des Führerasuweises sorgt für Kritik. Jetzt handelt die Politik.
Fahrlehrer fordern Reform: Einjährige Lernphase soll für 18-Jährige abgeschafft werden. Driving instructors call for reform: One-year learning phase to be abolished for 18-year-olds. Les moniteurs d'auto-école réclament une réforme : la phase d'apprentissage d'un an doit être supprimée pour les jeunes de 18 ans.
© iStock
• Fahrlehrer fordern Reform: Einjährige Lernphase soll für 18-Jährige abgeschafft werden.
• Postulat im Ständerat: Charles Juillard will schneller Klarheit vor der Evaluation 2025.
• Politischer Zeitdruck: Bereits im Dezember könnte der Nationalrat entscheiden.

Seit 2021 ist in der Schweiz das Fahren mit 17 erlaubt – allerd­ings nur mit ein­er verpflich­t­en­den ein­jähri­gen Lern­phase bis zum Erre­ichen des 20. Alter­s­jahres. Was einst als Beitrag zur Verkehrssicher­heit gedacht war, sorgt seit län­gerem für Kri­tik, Frust und poli­tis­chen Druck. Die Fahrlehrerschaft schlägt Alarm. Jugendliche sind teil­weise unzufrieden und schieben die Aus­bil­dung auf. Und auch Mit­glieder des Par­la­ments wollen eine neue Regelung, wie L‑drive Schweiz auf der Web­site des Ver­ban­des informiert. Doch der Bun­desrat und das zuständi­ge Bun­de­samt für Strassen (ASTRA) ver­weisen bish­er auss­chliesslich auf die noch ausste­hende Eval­u­a­tion. Diese ist für Ende 2025 angekündigt.

Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer warnen: Ausbildung leidet, Sicherheit sinkt

Die 2018 beschlossene Revi­sion «Opera‑3» hat das Schweiz­er Sys­tem der Fahraus­bil­dung kom­plett umgekrem­pelt — zum Lei­d­we­sen der Fahrlehrerschaft und der Jugendlichen. Neben der Abschaf­fung des Auto­mat­en-Ein­trags und Anpas­sun­gen bei Motor­rad­kat­e­gorien wurde auch das Fahren ab 17 mit ein­er oblig­a­torischen ein­jähri­gen Lern­phase einge­führt. Eine Mass­nahme, die viel Frust verur­sacht und wahrschein­lich – so die Befürch­tung von Fach­leuten – kaum Wirkung zeigt. Denn statt mehr Fahrprax­is zu fördern, hat die Reform laut Fahrlehrerin­nen und Fahrlehrern das Gegen­teil bewirkt: Weniger motivierte Juigendliche, weniger Aus­bil­dung – und mehr Unfälle. Let­zteres zeigt sich bedauer­licher­weise auch in den Verkehrssicher­heitssta­tis­tiken:

Während die EU zwis­chen 2019 und 2023 einen Rück­gang der Verkehrstoten um 10 % verze­ich­nete, stiegen sie in der Schweiz im gle­ichen Zeitraum um 26 %. Der Hand­lungs­be­darf scheint gegeben.

L‑drive Schweiz bei Bundesrat Rösti

Der Fahrlehrerver­band L‑drive Schweiz hat deshab denn auch bere­its das Gespräch mit Bun­desrat Albert Rösti gesucht und Forderun­gen deponiert:

  • Aufhe­bung der ein­jähri­gen Lern­phase ab 18 Jahren
  • Prü­fung eines zweit­en WAB-Tags
  • Anpas­sun­gen bei der Motor­rad­grun­daus­bil­dung

Vor allem jedoch machte der Ver­band klar: Jet­zt muss rasch gehan­delt wer­den statt immer nur auf die angekündigte Eval­u­a­tion hinzuweisen.

Politik macht Druck – zwei Motionen und ein Postulat

Schon Ende 2023 reicht­en zudem die Nation­al­räte Mike Egger (SVP) und Andri Sil­ber­schmidt (FDP) gle­ich­lau­t­ende Motio­nen ein. Sie wollen die ein­jährige Lern­phase nach Erre­ichen des 18. Alter­s­jahres abschaf­fen. Der Bun­desrat ver­weist indessen auch bei diesen bei­den gle­ich­lau­t­en­den Vort­stössen auf frühere Ablehnun­gen hin und bleibt zurück­hal­tend. Eine offizielle Reak­tion gibt es bis­lang nicht. Man wolle die Eval­u­a­tion abwarten, heisst es.

Jet­zt wird der Druck jedoch erhöht: Stän­der­at Charles Juil­lard (Die Mitte) will mit einem Pos­tu­lat Klarheit schaf­fen – und das noch vor der offiziellen Eval­u­a­tion. Seine Forderung: Der Bun­desrat soll dar­legen, ob das Fahren mit 17 über­haupt etwas bringt – oder ob die Regelung gestrichen wer­den kann.

Entscheidung schon im Herbst möglich

Das Beson­dere: Anders als die Motio­nen im Nation­al­rat dürfte das Pos­tu­lat bere­its in der Herb­st­ses­sion im Stän­der­at behan­delt wer­den. Eine Annahme würde den Ball direkt zum Nation­al­rat spie­len – noch im Dezem­ber.

Kommt es so weit, müsste das Bun­de­samt für Strassen (ASTRA) konkrete Mass­nah­men vorschla­gen. Und vor allem: Das Par­la­ment hätte das let­zte Wort. Die ein­jährige Lern­phase kön­nte damit schneller Geschichte sein, als man denkt. Juil­lards Vorstoss hat in der Kleinen Kam­mer, die bisweilen als grössere Hürde für Änderun­gen gese­hen wird, dur­chaus Chan­cen. Denn neben Stän­deräten der Mitte haben auch SVP‑, FDP- und SP-Vertreter das Anliegen mitun­terze­ich­net.

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Lea Gehrken

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Kommentare:

7 Responses

  1. Wenn man Ehrlich ist, merkt jed­er wie verun­sichert die Auto‘s mit L hin­ten­dran sind. Auch alles Auto‘s ab Golf 7 Gen­er­a­tion (Audi,Seat,Skoda und VW) dürfte man nicht als Lern­fahrzeige benutzen da wenn die Mama die Hand­bremse zieht und der Fahrlehrling Gas gibt die Brem­swirkung aufge­hoben wird! Auch soll­ten Pflicht­stun­den beim Fahrlehrer Pflicht sein! Danke

  2. Bevor Pri­vat­fahrten erlaubt wer­den, müssten 8 bis 10 Fahrstun­den beim Fahrlehrer oblig­a­torisch sein. Die meis­ten Begleit­per­so­n­en ken­nen sel­ber kaum noch die Verkehrsregeln! Blicksys­tem­atik, Ein­spuren, wer macht das heute noch, der schon seit 2 oder mehr Jahren fährt? Gefahren Sen­si­bil­isierung würde auch den Begleit­per­so­n­en wieder mal gut tun!! Die ein­jährige Lern­frist bringt nur denen etwas, die diese Zeit auch wirk­lich nutzen und dies sind nur ein klein­er Teil.
    Vielle­icht soll­ten wir anord­nen; wer als Begleit­per­son fungiert, sollte vorher sel­ber eine Fahrprü­fung able­gen müssen!

  3. Ein Fahrlehrer muss eine Aus­bil­dung absolvieren, die einem Mas­ter­ab­schluss entspricht und 30’000 Franken kostet. Es kann doch nicht sein, dass die Eltern eines Jugendlichen die Rolle des Fahrlehrers übernehmen. Sie haben nicht ein­mal die Möglichkeit, zu brem­sen! Das stellt eine Gefahr für alle Verkehrsteil­nehmenden dar. Hier muss unbe­d­ingt etwas geän­dert wer­den. Ein Dok­tor ist ein Dok­tor – da kön­nen die Eltern ja auch nicht ein­fach „dok­tor­spie­len“.

  4. Mann sollte nach der Motor­rad­prü­fung A- (-35kw)nicht 2.Jahre warten müssen bis man die Katogerie A(ab 35kw-)absolwieren kann.Es gibt keine grosse Unter­schied

  5. In Deutsch­land sind die Verkehrstoten um 10% zurück gegan­gen in der Schweiz sind sie gestiegen. In Deutsch­land gibt es keine pri­vat­en Fahrlehrer nur aus­ge­bildete Fahrlehrer. Ich sehe auch da einen Zusam­men­hang.

  6. Es gibt nur eine ehrliche und vernün­ftige Lösung. 12 Pflichtlek­tio­nen bei ein­er Fahrschule. Dann muss die 1 jährige Lern­phase ab 18 Jahren weg­fall­en. Das war ein unglück­lich­er Entscheid, der alle bestraft, die sich zügig mit Hil­fe ein­er Fahrschule auf das Auto-mobile-Leben vor­bere­it­en wollen.

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