Die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) im öffentlichen Verkehr macht Fortschritte: 60 % der Bahnhöfe sind bis Ende 2023 barrierefrei, viele Ersatzmassnahmen laufen. Doch Hunderte Stationen hinken nach – dringender Handlungsbedarf bleibt bestehen.
BehiG-Umsetzung im Schweizer ÖV: Mehr Barrierefreiheit
Der Standbericht 2025 des Bundesamts für Verkehr zeigt: Rund 1’089 von 1’800 Bahnhöfen und Haltestellen sind mittlerweile BehiG-konform ausgebaut – ein Plus von 97 Stationen gegenüber dem Vorjahr. Damit erreichen diese Bahnhöfe einen Standard, der es rund 80 % der ÖV-Nutzenden ermöglicht, selbstständig zu reisen, unabhängig von körperlichen Einschränkungen oder Mobilitätshilfen.
Ziel des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) ist es, Menschen mit Behinderungen den gleichwertigen Zugang zum öffentlichen Verkehr zu garantieren. Die Fortschritte sind sichtbar – dennoch bleibt viel zu tun. Denn über 500 Stationen entsprechen noch nicht den gesetzlichen Anforderungen. In diesen Fällen greifen sogenannte Ersatzmassnahmen, um die Autonomie der betroffenen Fahrgäste dennoch zu gewährleisten.
BehiG-konforme Bahnhöfe im Aufwind
Die Zahl der barrierefreien Bahnhöfe steigt kontinuierlich. Ende 2023 waren 60 % der Schweizer Bahnhöfe entsprechend angepasst – mit angehobenen Perrons, stufenlosem Zugang und akustischen wie visuellen Hilfen für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung. Auch kleinere Bahnhöfe und Haltestellen rücken vermehrt in den Fokus der Umbauprojekte.
Ersatzmassnahmen für verspätete Umbauten
Rund 540 Stationen lassen sich bis auf Weiteres nicht baulich anpassen – etwa aus technischen Gründen, wegen Denkmalschutz oder weil sie mittelfristig stillgelegt werden sollen. Für diese Orte wurden individuelle Ersatzmassnahmen entwickelt: zum Beispiel Shuttle-Angebote, Unterstützung durch geschultes Personal, mobile Einstiegshilfen oder telefonische Voranmeldung.
SBB führt Ersatzangebote ein
Die SBB unterstützt seit Januar 2024 gezielt Reisende an nicht barrierefreien Stationen, wie sie in einer Mitteilung festhält. Sie setzt dabei auf ein dichtes Netz aus Begleitdiensten, Personalassistenz und Shuttle-Verbindungen. Wer Hilfe benötigt, kann sich vor der Reise anmelden – auch spontan via Hotline oder über digitale Services.
Digitale Inklusion dank SBB Inclusive
Mit der App «SBB Inclusive» erhalten in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen wichtige Informationen in Echtzeit – etwa zur Funktionsfähigkeit von Aufzügen, zur Barrierefreiheit an Bahnsteigen oder zu alternativen Umsteigewegen. Die App wurde mehrfach ausgezeichnet und ist ein wichtiger Baustein in der digitalen Inklusion.
Behindertengleichstellungsgesetz im öffentlichen Verkehr
Trotz Verzögerungen ist das Ziel klar: Bis 2027 sollen rund 72 % der Stationen BehiG-konform sein. In den 2030er-Jahren sollen dann alle realistisch umrüstbaren Bahnhöfe umgebaut sein. Das BehiG wird so zu einem langfristigen Motor für mehr Teilhabegerechtigkeit im öffentlichen Verkehr.