Die Automobilbranche macht weiter Druck: auto-schweiz hat an der Generalversammlung der Auto-Importeurvereinigung einen politischen Kurswechsel verlangt. Die Importeure sehen ihre Branche zunehmend belastet. An der 68. Generalversammlung in Safenwil verlangten sie deshalb konkrete Entlastungen.
CO2-Vorschriften: kein Schweizer Sonderweg
In seiner Ansprache verwies Peter Grünenfelder auf die schwierige Lage der Schweizer Automobilwirtschaft. Während sich zahlreiche europäische Fahrzeugmärkte erholen und die Europäische Union ihre Regulierung an die Marktrealität anpasst, seien die Automobilimporteure in der Schweiz mit einem rückläufigen Markt, rigider Regulierung und millionenschweren Sanktionen konfrontiert.
Für auto-schweiz hat ein Thema dabei aktuell oberste Priorität. So soll die Schweiz die EU-Flexibilisierung bei den CO2-Flottenvorschriften übernehmen. Denn die EU passt ihre Regulierung laut Verband an die Marktrealität an. Die Schweizer Importeure dagegen kämpfen mit millionenschweren Sanktionen.
Die Schweiz darf sich demnach keinen regulatorischen Sonderweg leisten. Es brauche mehr Technologieoffenheit, mehr Pragmatismus und eine Politik, die sich an den Marktgegebenheiten statt an ideologischen Wunschvorstellungen orientiert. Zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Konsumenten sowie eine zunehmende Diskrepanz zwischen politischen Zielsetzungen und der Marktrealität sind die Folgen der aktuellen Regulierung.
Thomas Rücker, Direktor auto-schweiz
Deregulierung und tiefere Abgaben gefordert
Daneben verlangt der Verband deutlich weniger Vorschriften. Konkret will er unnötige Deklarationspflichten und marktverzerrende Regeln abbauen. Zudem fordert auto-schweiz eine Entlastung bei Steuern und Abgaben. Laut Verband zahlen Branche und Automobilisten bereits fast 13 Milliarden Franken pro Jahr. Deshalb verlangt auto-schweiz unter anderem die Abschaffung der Automobilsteuer.
Kritik an der Verkehrspolitik
Auch die Infrastrukturpolitik des Bundes stösst bei auto-schweiz auf Kritik. Denn rund zwei Drittel aller Transporte laufen über die Strasse. Trotzdem fliesse mit dem Projekt Verkehr’45 viel Geld in die Schiene. Gleichzeitig erreichten Staus laut auto-schweiz Rekordwerte. Der Verband fordert deshalb eine ausgewogene Verkehrspolitik.
Stagnierender Automarkt als Hintergrund
Hintergrund der Forderungen ist ein stagnierender Markt. Seit Jahresbeginn bewegt sich der Absatz laut Verband kaum. Bis Ende Mai verzeichnete die Schweiz 91’341 Neuzulassungen. Das entspricht einem Nullwachstum gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Steckerfahrzeuge liegt bei 35,4 Prozent. Grünenfelder verlangte deshalb abschliessend «mehr Bewegung statt mehr Bürokratie».
Wir werden uns weiterhin mit Nachdruck für eine wettbewerbsfähige Automobilwirtschaft, bezahlbare Mobilität und marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen einsetzen. Die Schweiz braucht mehr Bewegung statt mehr Bürokratie.
Peter Grünenfelder, Präsident auto-schweiz
Peter Grünenfelder als Präsident von auto-schweiz bestätigt
Die Mitglieder wählten überdies Peter Grünenfelder einstimmig für drei weitere Jahre. Ebenfalls bestätigt wurde Claudia Meyer von der Renault Group. Neu in den Vorstand kam Dirk Adelmann, CEO von Mercedes-Benz Schweiz. Mittlerweile zählt der Verband 63 Mitgliedsmarken. Diese decken über 90 Prozent der neu verkauften Fahrzeuge ab.
Was fordert auto-schweiz mit dem politischen Kurswechsel?
Der Verband verlangt die EU-Flexibilisierung bei den CO2-Vorschriften, weniger Regulierung sowie tiefere Steuern und Abgaben.
Wer ist Präsident von auto-schweiz?
Die Generalversammlung bestätigte im Juni 2027 Peter Grünenfelder für drei weitere Jahre als Präsident.
Warum fordert auto-schweiz die CO2-Flexibilisierung?
Die EU passe ihre Regeln an die Marktrealität an. Die Schweizer Importeure dagegen seien mit Sanktionen konfrontiert.
Welche steuerliche Entlastung verlangt auto-schweiz?
auto-schweiz spricht sich für die Abschaffung der Automobilsteuer aus. Branche und Automobilisten zahlten bereits fast 13 Milliarden Franken pro Jahr.
Was kritisiert auto-schweiz an Verkehr’45?
Trotz dominierendem Strassenverkehr fliesse ein Grossteil der zusätzlichen Investitionen in die Schiene. Der Verband fordert eine ausgewogene Verkehrspolitik.
Wie steht der Schweizer Automarkt aktuell da?
Der Markt stagniert. Bis Ende Mai 2026 zählte die Schweiz 91’341 Neuzulassungen, der Anteil der Steckerfahrzeuge liegt bei 35,4 Prozent.