Die SBB haben die Zeichen der Zeit erkannt. SBB Cargo wagt beim Einzelwagenladungsverkehr den grossen Wurf – und riskiert alles. Denn jetzt werden die Details bekannt. Und diese haben es in sich. Von 280 auf 50 Bedienpunkte soll gemäss Berichterstattung und SBB-Medienmitteilung reduziert werden. Das ist ein radikaler Schnitt.
Doch genau diese Ehrlichkeit verdient Respekt. Denn der Weg dahin war lang und schmerzhaft. Erst kam 2025 der Stellenabbau, dann die Strategie, jetzt die Abrechnung. Jahrelang kaschierten zuvor schöne Worte ein Defizit von 80 Millionen Franken.
EWLV-Umbau: Elf Standorte verlieren ihr Personal
Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack. Denn elf Standorte verlieren ihr Lok- und Rangierpersonal. Hinter jeder Verlegung steht ein Mensch mit Familie und Wurzeln. Hier muss sich die SBB an ihren Versprechen messen lassen. Denn ein Arbeitsortswechsel klingt sozialverträglich, heisst aber oft Umzug oder Pendlerstress. Die Einhaltung des GAV ist deshalb das Mindeste, was man tun kann.
Güterverkehr und Klima: Warum das schlankere Netz überzeugt
Dennoch kommt mit dem Massnahmenpaket neue Hoffnung auf. Denn die SBB rettet 98 Prozent der Mengen mit einem schlankeren Netz. Das ist clever gerechnet und ökologisch goldrichtig. Schliesslich ersetzt jeder Güterwagen gleich mehrere Lastwagen auf der Autobahn. Und letztere haben weiss Gott bereits genügend zu tun.
Finanzierung des EWLV: Die riskante Frist bis 2033
Heikel bleibt demgegenüber die Finanzierung. Denn der Bund stützt den EWLV nur befristet über acht Jahre. Ab 2033 soll der Güterverkehr allein laufen. Diese Frist ist sportlich, fast schon tollkühn. Bleibt das Wachstum aus, droht die nächste Sparrunde. Und dann wäre das Vertrauen der Kunden eventuell rasch verspielt.
SBB Cargo: Richtige Richtung, harte Umsetzung
Unter dem Strich aber wagt die SBB den richtigen Schritt. Denn sie ersetzt teure Romantik durch nüchterne Nachfrage. Behandelt sie nun ihre Leute fair und hält ihre Kunden bei Laune, dann hat die Schiene tatsächlich Wachstumspotenzial. Die Richtung stimmt – jetzt zählt einzig die Umsetzung.
One Response
SBB Cargo kommuniziert weiterhin 98% der Transportmengen über das um 18% abgespeckte Netz zu befördern. Wie, lässt sie offen, ebenso, für wie lange die bisherigen Kunden ihre Verträge erneuert haben. Wie kann das aufgehen?