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Strassenbaustellen

Misswirtschaft oder Kalkül?

Strassenbaustellen in der Schweiz sind wegen ihrer Häufigkeit und Dauer ein ewiges Ärgernis. Was steckt dahinter? – Dass es auch anders ginge, kann unser Autor Erwin Kartnaller aufzeigen.
Erwin Kartnaller
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Schweizer Baustellen dauern oft zu lange und verursachen Staus.
• Bessere Koordination und Modelle aus dem Ausland können den Verkehrsfluss verbessern.
• Effiziente Bauarbeiten entlasten Umwelt, Wirtschaft und Autofahrer deutlich.

Kür­zlich musste ich ins Elsass. Ich entsch­ied mich, wieder mal über den Bözberg zu fahren. Welch zeitrauben­der Fehler! Auf dieser Passstrasse zwis­chen Brugg und Frick, etwas enger gefasst zwis­chen Umiken und Effin­gen, brem­sten sage und schreibe vier Baustellen meine Fahrt immer wieder von Neuem ein. Die grüne Welle mag ja in der Poli­tik von Parteien fast jeden Spek­trums fol­gsam befol­gt wer­den, im Strassen­verkehr sucht man sie vergebens. Eigentlich logisch: In der Poli­tik ste­ht sie für Ver­hin­derungspoli­tik, im Strassen­verkehr würde sie für Verkehrs­fluss ste­hen – das kratzt sich!

Jahr für Jahr das gleiche Bild

Auf jeden Fall bestätigte sich am Bözberg, wie an vie­len anderen Orten auch, was ich ein jedes Mal fest­stelle, wenn ich aus dem Aus­land heimkehre: Man müsste keine Gren­zstellen mit Lan­deswap­pen betreiben. Wenn immer ich von Baulat­te zu Baulat­te gedrosselt werde, die immer­hin in den Lan­des­far­ben gehal­ten sind, weiss ich: «Ich bin wieder in der Schweiz!» Nicht min­der auf­fäl­lig: Viele dieser Strassen­baustellen sind immer noch anzutr­e­f­fen, wenn ich ein oder sog­ar zwei Jahre später wieder auf der gle­ichen Strecke unter­wegs bin. Zwangsläu­fig drängt sich die Frage auf: «Was läuft da schief, welch­es Kalkül steckt dahin­ter?»

Es geht auch anders

Was im Aus­land immer wieder zu beobacht­en ist: Wo immer das Strassen­netz in pri­vater Hand ist, und wo eine Maut entrichtet wer­den muss, wer­den Belagsar­beit­en zügig vor­angetrieben. Klaro, denn: Wenn kein Verkehr drüber fliesst, stockt der Geld­fluss. Ganz anders in der Schweiz, wo das Finanzierungsmod­ell des Strassen­verkehrs dauernde Ein­nah­men ver­spricht, egal ob der Verkehr fliesst, staut oder aus­bleibt. Trotz­dem sind mir maut­freie Strassen natür­lich lieber. Begrüssen würde ich es aber, wenn sich etwas an der Grun­de­in­stel­lung zu dieser The­matik ändert. Stau und Umwegverkehr belas­ten die Umwelt in ganz erhe­blichem Masse. Sie verur­sachen auch einen volk­swirtschaftlichen Schaden, den man nicht unter­schätzen sollte. Dass es selb­st in der Schweiz anders gehen kön­nte, durfte ich kür­zlich auf der A1 auf Aar­gauer Kan­ton­s­ge­bi­et fest­stellen. Hier wurde auf ver­schiede­nen Streck­en­ab­schnit­ten ein neuer Belag einge­baut, und es ging – man/frau staune – wirk­lich zügig voran. Geht doch!

Die Kräfte bündeln

Zurück zum Beispiel des Bözberg: Vier Baustellen also, in Abstän­den von ein, zwei Kilo­me­ter. An jed­er Baustelle sieht man dann vielle­icht zwei, drei Schnäuze, die mit Arbeit­en beschäftig sind. Warum nicht Abschnitt für Abschnitt nacheinan­der mit der gebün­del­ten Kraft aller an dieser Stecke beschäftigten Arbeit­er abwick­eln? Sie kämen mit Sicher­heit schneller voran. Der Verkehr wiederum würde immer nur an ein­er Stelle aufge­hal­ten. Das würde überdies dem Ein­druck ent­ge­gen­wirken, dass in der Schweiz jede noch so kleine Strassen­baustelle den Sta­tus eines Jahrhun­der­twerks erlangt.

Ein schwaches Argument

Was in der Schweiz immer wieder zu beobacht­en ist: Von einem Dorf zum anderen stösst man auf Baustellen. Damit wer­den ganze Regio­nen zum Still­stands­ge­bi­et. Eine bessere Koor­di­na­tion im Zeital­ter von Daten­banken sollte doch auch hier möglich sein. Wer das vor­bringt, bekommt indes das Argu­ment zu hören: «Wenn die Gemein­de­v­er­samm­lung ein Pro­jekt abge­seg­net hat, müssen wir es zeit­nah umset­zen, son­st fällt es wieder aus dem Bud­get raus.» Sor­ry, diese Argu­men­ta­tion überzeugt mich nun über­haupt nicht. Man kön­nte ein­mal gesproch­ene Gelder auf einem sep­a­rat­en Kon­to deponieren, um es bei der Real­isierung des Vorhabens abzu­greifen. Sin­ngemäss spricht man in solch einem Fall ja auch vom Freizügigkeit­skon­to. Damit liesse es sich auch ver­mei­den, dass ein frisch einge­bauter Belag nach kurz­er Zeit wieder aufgeris­sen wer­den muss, weil da plöt­zlich noch eine Leitung neu ver­legt wer­den muss.

Grosser Respekt für die Bauarbeiter, weitaus weniger für PlanerInnen

In diesem ganzen Kon­text möchte ich die Wertschätzung für Bauar­beit­er nicht auss­er Acht lassen. Wie sie bei Wind und Wet­ter, zur Zeit bei Gluthitze, ihr Tagew­erk ver­richt­en, ver­di­ent höch­ste Anerken­nung. Das beschriebene Prob­lem ist auss­chliesslich in den Tep­picheta­gen der Poli­tik und Beamten­stuben zu verorten. Hier wäre ein Gesin­nungswan­del dur­chaus von­nöten. Denn immer­hin ste­hen sie in Dien­sten des Volkes, ver­schleud­ern deren Geld. Für Mis­s­wirtschaft und eine Behin­derungspoli­tik sollte da eigentlich kein Raum sein!

Aufträge gäbe es wahrlich genug!

Sollte ander­er­seits die Bewirtschaf­tung der Strassen­baustellen darauf abzie­len, die Auf­tragslage von Tief­bau­un­ternehmen auf lange Sicht zu sich­ern, sei fol­gen­des ange­merkt: Ich gönne jed­er Fir­ma eine gesunde Auf­tragslage. Die zeitliche Ver­schlep­pung von Unter­halt­sar­beit­en sollte aber nicht dafür her­hal­ten müssen. Denn: Aufträge gäbe es wahrlich genug!

Wir alle wis­sen, dass die Verkehrsin­fra­struk­tur dem Bevölkerungs- und Verkehr­swach­s­tum weit hin­ter­her­hinkt. Die Staus­tun­den steigen von Jahr zu Jahr mas­siv, wie wir erst kür­zlich wieder erfahren durften. Der Nach­holbe­darf ist gewaltig. Und all jenen, die sich vehe­ment gegen die Anpas­sung der Verkehrsin­fra­struk­tur an die wahren Bedürfnisse, die sie ja man­nig- und frauig­faltig mitver­ant­worten, stem­men, sei ein Beispiel zu Bewusst­sein gebracht: Zwis­chen Lau­sanne und Morges ist vor Jahren der Pan­nen­streifen als dritte Spur bei dichtem Verkehr freigegeben wor­den. Ich erin­nere mich, als ob es gestern gewe­sen wäre, wie der damals zuständi­ge, grüne Regierungsrat des Kan­tons Waadt an ein­er Ver­samm­lung eingeste­hen musste: «Seit der Freiga­be dieser drit­ten Spur hat sich die Luft­be­las­tung merk­lich verbessert, die Staus­tun­den sind gesunken und auch die Unfall­häu­figkeit hat abgenom­men.»

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