Der Auftrag ist eindeutig. Das Stimmvolk verlangte 1994, die Zahl der Lastwagenfahrten über die Alpen von Grenze zu Grenze zu beschränken. Auf 650’000 pro Jahr wollte das Parlament die Fahrten letztlich senken. Doch die Realität spottet diesem Ziel.
Der Verlagerungsauftrag bleibt unerfüllt
2024 fuhren rund 960’000 Lastwagen durch die Alpen, also mehr als zuvor. Damit liegt der Bund seit Jahren weit daneben. Trotzdem fehlt eine ehrliche Debatte über härtere Massnahmen. Oder über die Aufgabe der Verlagerungsillusion.
Rola-Aus verschärft die Lage
Nun droht der nächste Rückschlag. Seit Ende 2025 entfällt die Rollende Landstrasse, die jährlich rund 70’000 Lastwagen auf die Schiene brachte. Folglich könnte 2026 die Millionengrenze fallen. Genau hier setzt die Vorlage des Bundesrates jetzt an. Sie stabilisiert zwar zwischenzeitlich den kombinierten Verkehr, wie unsere Analyse zeigt. Doch sie kehrt nichts um. Und Schadensbegrenzung ist keine Verkehrspolitik mit Ambitionen.
Bundesrat tastet die LSVA nicht weiter an
Auffällig ist, was die Vorlage auslässt. Denn die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe bleibt das eigentliche Steuerungsinstrument. Wer verlagern will, müsste am Preis ansetzen. Stattdessen verteilt der Bund Betriebsbeiträge und hofft auf bessere Zeiten. Das ist bequem, aber es ist nicht genug. Zugleich gibt es gute Gründe, den Strassengüterverkehr nicht weiter zu belasten.
Der Bundesrat bleibt zu zaghaft
Die 486 Millionen Franken verhindern einen Absturz. Insofern verdienen sie Zustimmung. Doch sie ersetzen keine Strategie. Solange Trassen unzuverlässig bleiben und der Preis nicht lenkt, bleibt das Verlagerungsziel Makulatur. Der Bund kauft Zeit. Nicht mehr.
Und er wird sich 2035 einmal mehr die Frage gefallen lassen müssen, ob er an der Verlagerungsillusion wirklich festhalten will.