Dass reine Verbrenner-Fahrzeuge an Beliebtheit verlieren, erstaunt nicht sonderlich. Politik, Medien und die Automobilwirtschaft selber haben tüchtig zum schädigenden Ruf dieser Antriebsart beigetragen. Welch enorme Entwicklung aber gerade Benzin- wie auch Dieselfahrzeuge über einen relativ kurzen Zeitraum durchlebt haben, wird der Vergessenheit anheim gestellt. In den letzten Jahren in kurzen Zeitabständen verschärfte Emissionsnormen haben sowohl Diesel- wie auch Benzinautos im Prinzip den Teufelscharakter genommen. Ich weiss nicht, wie sich die Situation heute präsentieren würde, wäre da nicht plötzlich Dieselgate in aller Leute Mund gewesen. Da haben sich Teile der Automobilbranche in nicht zu überbietender Naivität selber ein Ei gelegt – um ein heutzutage häufig gebrauchtes Wort dafür zu nutzen: nachhaltig (!).
Gehen fast als Luftreinigungsmaschinen durch
Selber erinnere mich an eine Busausstellung. Zu der Zeit war Euro 5 die Norm. Ein Mechaniker hielt einen Messstab in den Auspuff eines Reisecars moderner Bauart, der zusätzlich zu Euro 5 mit dem Abgasnachbehandlungssystem EEV ausgestattet war. Er druckte danach die Daten der Schadstoffwerte aus. In einem zweiten Schritt hielt er den Messstab nun in die Luft, und las dann auch hier die Daten aus. Dreimal dürfen Sie raten, welche Werte besser waren. Man hätte aufgrund dieses Messergebnisses durchaus zur Einsicht gelangen können, dass motorisierte Fahrzeuge dieser Emissionsnorm als Luftreinigungsmaschinen hätten durchgehen können. Inzwischen sind wir bei der x‑fach verbesserten Euronorm 6 angelangt, welche die Schadstoffe, ausgehend von Euro 1, um über 90 Prozent abgesenkt hat. Jüngste Meldungen von Motorenentwicklern sagen weitere Fortschritte in dieser Hinsicht voraus.
Nicht über alle Zweifel erhaben
Dass die reinen Elektroautos trotz beharrlicher Propagandamassnahmen, staatlichen Eingriffen unterschiedlichster Art, und die sich von Trumps Zöllen in ihrer Wirkung gar nicht so sehr unterscheiden, noch nicht den ersehnten Durchbruch geschafft haben, darf nicht verwundern. Einerseits wird uns mit der Energiewende laufend eingehämmert, dass Strom gespart werden müsse. AKW’s werden durch Flatterstrom ersetzt — die Versorgungssicherheit wird den Launen der Natur überantwortet. Gleichzeitig wird mit den seit Menschengedenken bekannten Mitteln der Angstmache (Weltuntergangsszenarios) und dem Schüren des schlechten Gewissens zum Fahren und Heizen mit Strom aufgerufen. Wer das Einmaleins beherrscht, gerät leicht ins Grübeln. By the way: Die Schweiz hat im Jahre 2008 (!) den Einbau von Stromheizungen in Neu- und Umbauten verboten. Dreimal dürfen Sie raten weshalb… Wie auch immer: Die Zweifel sind gesät und machen sich jetzt im Kaufverhalten bemerkbar.
Am Volk vorbei
Dass die Politik nicht selten am Volk vorbeizielt, zeigt sich immer wieder. Oftmals sind es nicht Fachleute, die den Weg vorgeben, sondern Ideologen mit eingeschränkter Weitsicht. Zu erwähnen wäre dann freilich auch das Heer der sogenannten Fachleute, die ihr Geld mit reinen Gefälligkeitsgutachten verdienen. Die Glaubwürdigkeit jedenfalls hat in den letzten Jahren sehr gelitten, weil viele Erdenbürger erkannt haben, dass Wissenschaft nicht gleich Wissen ist. Vielfach sind es Modellrechnungen, Prognosen, Prophezeiungen, die, das wissen wir alle selber, sich nur allzu oft als völlige Fehleinschätzung erwiesen haben. Weite Teile wissenschaftlicher Erkenntnisse, das mussten wir auch lernen, sind einzig Mittel zum Zweck – in Diensten der Politik, Wirtschaft und anderer Interessensgruppen.
Technologieoffenheit statt Zwängerei
Mobilität wird ja sehr stark mit Individualität in Verbindung gebracht. Der Freiheit sich in die eine oder andere Richtung bewegen zu können. Das scheint naheliegenderweise auch für den Automobilmarkt zu gelten ‑Technologieoffenheit statt Zwängerei, zumal sich beispielsweise mit vollsynthetischen Treibstoffen eine Alternative anbietet, die nicht zwingend mit einer eigentlichen Kapitalvernichtung (vorzeitige Neuwagenanschaffung, Wertverlust, fiskalische Abstrafung) einhergehen muss. Weitere Techniken sind in einem Entwicklungsstadium, die durchaus das Zeug haben, den Antrieb von morgen aufzugleisen.
Es ist nicht alles grün was glänzt
Die Gesamtenergiebilanz stellt auch der E‑Mobilität keinen Persilschein aus. Wir unterliegen immer wieder dem Denkfehler, nur den Moment der Nutzung in unsere Rechnung einzubeziehen. Der Vor- und Nachlauf gehört aber (leider) auch dazu. Hinzu kommt bei der E‑Mobilität auch die erneute Rohstoffabhängigkeit. Die teils fragwürdigen Methoden der Rohstoffgewinnung wollen wir gar nicht erst vertieft erörtern. Die bereits erwähnte Versorgungssicherheit ist ein weiterer Punkt, der vielen Leuten zu denken gibt und sie zögern lässt. Die Reichweiten- und Ladezeitenproblematik sind stichhaltige Argumente, die sich als Bremsfaktor erweisen.
Der goldene Mittelweg
Dass sich also zur Zeit eine Mehrheit der Automobilisten beim Neuwagenkauf für Hybrid-Modelle entscheidet, drückt doch nur eines aus: Das eine tun und das andere nicht lassen. Auf eine uneingeschränkte Mobilität will kaum jemand verzichten, der Umwelt aber Gutes tun, muss irgendwie miteingepackt sein. Selber, und das sage ich ganz offen, scheint mir der Plugin-Hybrid die zur Zeit idealste Lösung zu sein. Warum? Moderne Plugin-Hybride erreichen eine elektrische Autonomie von 60 bis sogar über 100 Kilometer. Wenn man sich jetzt überlegt, dass die meisten Automobilisten ihr Fahrzeug zu wohl 80 Prozent vor allem im Kurzstreckenverkehr nutzen, lässt sich diese Fahrleistung rein elektrisch bewältigen – ohne einen Tropfen Sprit. Zieht es jemand in die Ferne, muss er sich nicht mit den Problemen der Reichweite, Ladeinfrastruktur und Ladezeiten herumschlagen. Aber wie gesagt: Jede® wie er/sie will. Offen bleiben!