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Verkehrsberuhigungsmassnahmen

CO2-Schleudern par excellence!

Was als Heilmittel gedacht, erweist sich oft als Schadenskumulation. So etwa Verkehrsberuhigungsmassnahmen, die inzwischen in einfältiger Vielfalt anzutreffen sind. Nur allzu oft bewirken sie genau das Gegenteil dessen, was sie bezwecken sollen. Eine Fahrt durch Frankreichs Dörfer kann als Paradebeispiel herhalten. Die Schweiz und andere Länder sind aber keinen Deut besser!
KI-generiert / eka
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Verkehrsberuhigungsmassnahmen erhöhen den Treibstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoss.
• Asphaltbuckel, Ampeln und Engstellen verschlechtern den Verkehrsfluss deutlich.
• Mehr Stop-and-go-Verkehr führt zu zusätzlichem Lärm, Stau und Zeitverlust.

Wenn immer ich mit dem Wohn­mo­bil unter­wegs bin, deak­tiviere ich im Nav­i­ga­tion­ssys­tem die Auto­bahn­nutzung. Ich will ja die Land­schaft sehen und erleben. Auf diese Weise habe ich schon die schön­sten Eck­en dieser Welt ent­deckt. Das Ganze hat aber einen gewalti­gen Hak­en, wie eine kür­zlich durchge­führte Reise nach Süd­frankre­ich offen­barte. Von freier Fahrt kann wahrlich nicht mehr die Rede sein: Die Durch­fahrt durch die meis­ten Dör­fer wird zur «Vier­schanzen-Tournée», zum «Ampel­hüpfen» und zum «Mil­lime­ter­spiel». Still­stand und Schle­ich­fahrt prä­gen das Fahrerleb­nis!

In fast jedem Kaff lauert Buckel um Buckel

Zunächst ein­mal fall­en einem die aufgeschichteten Asphalt­buck­el auf, die nun tat­säch­lich das Gefühl beschle­u­ni­gen, sich auf ein­er Vier­schanzen­tournée zu befind­en. Die Fahrt freilich wird davon nicht beschle­u­nigt, ganz im Gegen­teil. Sinn und Zweck dieser Verkehrs­beruhi­gungs­mass­nahme ist es, den Strassen­verkehr rabi­at einzubrem­sen. Viele dieser Buck­el weisen eine Höhe auf, so dass man sie nur mit 10, besten­falls 20 km/h schaden­frei über­winden kann. Wer ein tiefer gelegtes Fahrzeug fährt, dürfte gle­ich­wohl ein jedes Mal das Kratzen sein­er Front‑, Seit­en- und Heck­spoil­er im Ohr haben. Ein abgeschla­gen­er Aus­puff ist dann wohl das höch­ste aller Hör­erleb­nisse. Waren diese Buck­el einst nur an Dor­fe­ingän­gen platziert, begleit­en sie einem nun vielerorts durchs ganze Gemein­dege­bi­et – teils in sehr kurzen Abstän­den und dies durchgängig in 30er-Zonen.

Einsame Lichtsignalanlagen

In vie­len Dör­fern trifft man des Weit­eren auf Lichtsig­nalan­la­gen, die wed­er Fuss­gängern noch Verkehrsteil­nehmern aus Seit­en­strassen den Zugang zur Haupt­strasse ermöglichen sollen. Sie scheinen wahl­los aufgestellt wor­den zu sein. Als Schlussfol­gerung mein­er Beobach­tun­gen dienen sie ver­mut­lich in erster Lin­ie dazu, Fahrzeuge, die sich nicht exakt an die Tem­polim­ite von 30 km/h hal­ten zum Still­stand zu brin­gen. Auf jeden Fall schal­ten sie auf Rot, ohne dass es dafür einen ersichtlichen Grund gäbe.

Künstliche Verengungen werden zum Millimeterspiel

Doch damit nicht genug. Über­aus ein­fall­sre­iche «Verkehr­sex­perten» beglück­en die homo mobilis als Drauf­gabe mit kün­stlich erstell­ten Eng­pässen. Betonkü­bel mit und ohne Blu­men­pracht, gepflasterte Erhe­bun­gen, kur­ven­re­iche Boden­markierun­gen veren­gen die Fahrbahn an vie­len Stellen und zwin­gen zum Abbrem­sen und bei Gegen­verkehr zum Still­ste­hen. “Verkehr­sex­perten” notabene, die bei Infra­struk­tu­rauf­gaben zur Ver­flüs­si­gung des Verkehrs weitaus weniger ein­fall­sre­ich in Erschei­n­ung treten!

CO2, Lärm und Stau garantiert

Seit Jahren habe ich es mir zur Gewohn­heit gemacht, stets den Bor­d­com­put­er mit dem aktuellen und durch­schnit­tlichen Treib­stof­fver­brauch im Blick­feld zu haben. Während der Fahrt durch die franzö­sis­chen Dör­fer, und natür­lich nicht nur dort, wird einem dann schnell bewusst, wie kon­trapro­duk­tiv diese Verkehrs­be­hin­derungs­mass­nah­men sind. Beim Anfahren, nach einem der vie­len erzwun­genen Still­stände, schnellt der Treib­stof­fver­brauch um den drei- bis fünf­fachen Wert hoch, welchen er noch während der flüs­si­gen Fahrt anzeigte. Der Durch­schnittsver­brauch macht in der Folge alle Bemühun­gen zunichte, ökonomisch und ökol­o­gisch zu fahren. Die Mess­werte beweisen unmissver­ständlich, dass ich auf der Auto­bahn bei ein­er Geschwindigkeit von 130 km/h weitaus sauber­er unter­wegs bin.

Ein weit­er­er Aspekt, der sich ins Gegen­teil dessen verkehrt, was gewollt ist, bet­rifft den Verkehrslärm. Beim Anfahren dreht der Motor naturgemäss hoch, verur­sacht also mehr Lärm, als wenn er in regelmäs­sigem Tem­po vor sich hin schnur­rt. Dass mit dem Ein­brem­sen des Strassen­verkehrs let­ztlich auch die Staubil­dung mas­siv zunimmt, sei hier und jet­zt nur mal am Rande erwäh­nt. Diese ständi­gen, zeit- und ner­ven­rauben­den Still­stand­sphasen lassen einem natür­lich die Haare zu Berge ste­hen, und wer mit Glatze durchs Leben muss, wird durch eine «Vol­lkopf-Errö­tung» auf­fall­en. Ich will damit auf einen weit­eren Fak­tor der Gesund­heitss­chädi­gung hin­weisen. Doch einge­denk all der Verkehrs­beruhi­gungs­mass­nah­men und generell der Ein­stel­lung gewiss­er Kreise zur Mobil­ität muss man wohl oder übel eh von ein­er kranken Gesellschaft sprechen.

Massnahmen epidemischen Ausmasses

Wer er sich nun ganz ein­fach machen will und mit dem Fin­ger allein auf Frankre­ich zeigt, den muss ich ent­täuschen. Obwohl die Römer wahrschein­lich sagen wür­den: «Die spin­nen, die Gal­li­er!», lassen sich diese Ten­den­zen zur Verkehrs­be­hin­derung auch in der Schweiz, Deutsch­land, Öster­re­ich und vie­len anderen Län­dern Europas beobacht­en. In der Schweiz braucht es durch die dichte Besiedelung halt ein­fach nicht jene Häu­figkeit von Asphalt­buck­eln. Hierzu­lande sor­gen eine unselige Fuss­gänger­regelung, Verkehrsam­peln, Bushal­testellen auf der Fahrbahn, Beton­klötze auf der Fahrspur und eine den Erfordernissen hin­ter­her­hink­ende Strass­en­in­fra­struk­tur dafür, dass die Tachonadel öfter auf 0 km/h zeigt, als einem lieb sein kann. Und weil die Dis­tanz von ein­er Ortschaft zur anderen so kurz ist, ergibt sich allein daraus eine ger­adezu epi­demis­che Häu­figkeit.

Die Schlussfolgerung

Während also die Ein­führung und Erhöhung beste­hen­der Verkehrsab­gaben mit unge­brem­stem Tem­po voran­schre­it­et, wird die Mobil­ität schle­ichend einge­bremst. Mit Kon­se­quen­zen, die wirtschaftlich, umwelt­tech­nisch und aus sozialer Sicht höchst schädlich sind. Aber­mals leit­ete ich daraus die Erken­nt­nis ab, dass Ide­olo­gie und Intel­li­genz sich gegen­seit­ig aufheben!

Kommentare:

3 Responses

  1. Du schreib­st mir aus dem Herzen Erwin.

    Ich bin sehr oft in Frankre­ich beru­flich unter­wegs. Fast noch mehr als in der Schweiz.

    Es scheint mir, dass die Verkehrs­beamten der einzel­nen Län­der immer nur das Unbrauch­bare voneinan­der abkupfern und dann neu zusam­men­wür­feln.

    In Gross­bri­tan­nien haben wir die Hup­pel, Quer­balken und all das Zeug ’sleep­ing police­man’ genan­nt. Vielle­icht hülfe es, wenn wir dies in die Tat umset­zten und die Beamten der Verkehrsmin­is­te­rien auf die Strasse legten. Das ist CO2-fre­undlich­er als der viele Beton, der für die Hup­pel pro­duziert wer­den muss.

  2. Lieber Erwin
    Endlich mal jemand, der die Fak­ten beleg­bar auf aufzeigt.
    Grossar­tig! Einen Aspekt hättest Du noch erwäh­nen kön­nen: Durch den abge­brem­sten Stop-And-Go Verkehr sam­meln sich die Abgase dunst­wolke­nar­tig in den Dör­fern, was sicher­lich sowohl die Ein­wohn­er, als auch die Kreb­s­forsch­er sehr freuen wird …
    Beste Grüsse, Uwe

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