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Einordnung zur öV-Preisrunde

Auch 3.6 Prozent bleiben eine happige öV-Preiserhöhung

Der Preisüberwacher hat der öV-Branche eine tiefere Tariferhöhung abgerungen, und das verdient Anerkennung. Trotzdem steigen die Preise deutlich stärker als die Teuerung. Das GA 2. Klasse kostet ab Dezember erstmals über 4'000 Franken. Die eigentliche Ursache liegt aber nicht bei der Branche, sondern im Bundeshaus.
Verkehr ’45: Wo der Bundesrat ausbauen will. Verkehr ’45 : où le Conseil fédéral souhaite développer les infrastructures. Verkehr ’45 : où le Conseil fédéral souhaite développer les infrastructures.
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Die öV-Tarife steigen um 3.6 Prozent, während die Jahresteuerung im Juli 2026 bei 0.4 Prozent lag.
• Innert drei Jahren summieren sich zwei Erhöhungen auf rund sieben Prozent.
• Die Ursachen liegen in politischen Entscheiden zur Mineralölsteuer und zum regionalen Personenverkehr.

Auch 3.6 Prozent bleiben eine hap­pige öV-Preis­er­höhung. Der Preisüberwach­er hat der Branche zwar Zugeständ­nisse abgerun­gen. Am Ende zahlen Kundin­nen und Kun­den ab Dezem­ber 2026 aber deut­lich mehr. Das GA 2. Klasse über­schre­it­et erst­mals die Marke von 4’000 Franken. Wer täglich pen­delt, spürt das im Porte­mon­naie damit sofort.

öV-Preise steigen neunmal stärker als die Teuerung

Die Jahres­teuerung lag im Juli 2026 bei 0.4 Prozent. Die Kern­in­fla­tion betrug sog­ar nur 0.3 Prozent. Die Betriebde des öffentlichen Verkehrs ver­lan­gen nun aber 3.6 Prozent mehr. Damit steigen die Tar­ife rund neun­mal stärk­er als das all­ge­meine Preis­niveau. Diese Dif­ferenz muss die Branche zwin­gend erk­lären, denn Löhne und Renten wach­sen in der Regel langsamer. Oder anders for­muliert: Die Kundin­nen und Kun­den wer­den noch stärk­er zur Kasse gebeten. Nicht zum ersten Mal.

Zwei Erhöhungen in drei Jahren summieren sich

Bere­its im Dezem­ber 2023 stiegen die öV-Preise um durch­schnit­tlich 3.7 Prozent. Nun fol­gt der zweite Schritt um 3.6 Prozent. Kumuliert ergibt das rund sieben Prozent innert drei Jahren. Zuvor blieben die nationalen Tar­ife sieben Jahre lang sta­bil. Diese Sta­bil­ität war ein starkes Argu­ment für den öV, doch sie ist Geschichte.

Preisüberwacher stösst an die Grenzen

Ste­fan Meier­hans hat her­aus­ge­holt, was ihm Artikel 6 des Preisüberwachungs­ge­set­zes erlaubt. Er hat über eine angemeldete Mass­nahme ver­han­delt, nicht über die Finanzierung des öV. Ohne Eini­gung mit der Alliance Swiss­Pass bliebe ihm nur eine Ver­fü­gung nach Artikel 10. Ein solch­es Ver­fahren dauert lange und führt aller Voraus­sicht nach min­destens bis vor Bun­desver­wal­tungs­gericht. Die Eini­gung war deshalb prag­ma­tisch, doch sie löst das Grund­prob­lem nicht.

Sparbillette entlasten die falschen Kundengruppen

Die SBB ver­sprechen für 2027 Spar­bil­lett-Rabat­te von 90 Mil­lio­nen Franken. In den Jahren 2024 und 2025 waren es je 50 Mil­lio­nen Franken. Das klingt grosszügig, bet­rifft aber vor allem zeitlich flex­i­bel Reisende. Pen­del­nde mit GA prof­i­tieren kaum davon, denn sie kaufen keine Einzel­bil­lette. Die Kom­pen­sa­tion erre­icht damit nicht jene Gruppe, die am stärk­sten belastet bleibt.

Höhere Tarife bremsen den Ausbau des öV-Anteils

Der Bund fördert den öffentlichen Verkehr mit Mil­liar­den­beiträ­gen und will dessen Anteil am Verkehr erhöhen. Höhere Tar­ife wirken diesem Ziel ent­ge­gen, denn sie ver­schieben die Rech­nung zugun­sten des Indi­vid­u­alverkehrs. Der Kon­sumenten­schutz und die IGöV kri­tisieren genau diesen Wider­spruch. Sie haben deshalb eine Peti­tion lanciert, die an Bun­desrat Albert Rösti adressiert ist. Ihre Forderung ist berechtigt, denn Preis­poli­tik ist immer auch Verkehrspoli­tik.

Politik muss die Finanzierungslücke im öV schliessen

Die Branche nen­nt zwei poli­tis­che Ursachen für die Erhöhung. Erstens stre­icht das Ent­las­tungspaket ab 2027 die Rück­vergü­tung der Min­er­alöl­s­teuer. Zweit­ens liegt der Kred­i­trah­men für den regionalen Per­so­n­en­verkehr unter dem angemelde­ten Bedarf. Bei­de Entschei­de fällte das Par­la­ment und nicht die Alliance Swiss­Pass. Wer tief­ere öV-Preise will, muss deshalb im Bun­de­shaus anset­zen. Der Preisüberwach­er kann nur brem­sen, aber nicht steuern.

Wie stark steigen die öV-Preise im Ver­gle­ich zur Teuerung?

Die Tar­ife steigen um 3.6 Prozent, während die Jahres­teuerung im Juli 2026 bei 0.4 Prozent lag.

Sie nen­nt gestiegene Betrieb­skosten sowie den Weg­fall der Min­er­alöl­s­teuer-Rück­vergü­tung und einen zu tiefen Kred­i­trah­men.

Er kann nach Artikel 10 des Preisüberwachungs­ge­set­zes ver­fü­gen, sucht aber zuerst eine ein­vernehm­liche Regelung.

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