Auch 3.6 Prozent bleiben eine happige öV-Preiserhöhung. Der Preisüberwacher hat der Branche zwar Zugeständnisse abgerungen. Am Ende zahlen Kundinnen und Kunden ab Dezember 2026 aber deutlich mehr. Das GA 2. Klasse überschreitet erstmals die Marke von 4’000 Franken. Wer täglich pendelt, spürt das im Portemonnaie damit sofort.
öV-Preise steigen neunmal stärker als die Teuerung
Die Jahresteuerung lag im Juli 2026 bei 0.4 Prozent. Die Kerninflation betrug sogar nur 0.3 Prozent. Die Betriebde des öffentlichen Verkehrs verlangen nun aber 3.6 Prozent mehr. Damit steigen die Tarife rund neunmal stärker als das allgemeine Preisniveau. Diese Differenz muss die Branche zwingend erklären, denn Löhne und Renten wachsen in der Regel langsamer. Oder anders formuliert: Die Kundinnen und Kunden werden noch stärker zur Kasse gebeten. Nicht zum ersten Mal.
Zwei Erhöhungen in drei Jahren summieren sich
Bereits im Dezember 2023 stiegen die öV-Preise um durchschnittlich 3.7 Prozent. Nun folgt der zweite Schritt um 3.6 Prozent. Kumuliert ergibt das rund sieben Prozent innert drei Jahren. Zuvor blieben die nationalen Tarife sieben Jahre lang stabil. Diese Stabilität war ein starkes Argument für den öV, doch sie ist Geschichte.
Preisüberwacher stösst an die Grenzen
Stefan Meierhans hat herausgeholt, was ihm Artikel 6 des Preisüberwachungsgesetzes erlaubt. Er hat über eine angemeldete Massnahme verhandelt, nicht über die Finanzierung des öV. Ohne Einigung mit der Alliance SwissPass bliebe ihm nur eine Verfügung nach Artikel 10. Ein solches Verfahren dauert lange und führt aller Voraussicht nach mindestens bis vor Bundesverwaltungsgericht. Die Einigung war deshalb pragmatisch, doch sie löst das Grundproblem nicht.
Sparbillette entlasten die falschen Kundengruppen
Die SBB versprechen für 2027 Sparbillett-Rabatte von 90 Millionen Franken. In den Jahren 2024 und 2025 waren es je 50 Millionen Franken. Das klingt grosszügig, betrifft aber vor allem zeitlich flexibel Reisende. Pendelnde mit GA profitieren kaum davon, denn sie kaufen keine Einzelbillette. Die Kompensation erreicht damit nicht jene Gruppe, die am stärksten belastet bleibt.
Höhere Tarife bremsen den Ausbau des öV-Anteils
Der Bund fördert den öffentlichen Verkehr mit Milliardenbeiträgen und will dessen Anteil am Verkehr erhöhen. Höhere Tarife wirken diesem Ziel entgegen, denn sie verschieben die Rechnung zugunsten des Individualverkehrs. Der Konsumentenschutz und die IGöV kritisieren genau diesen Widerspruch. Sie haben deshalb eine Petition lanciert, die an Bundesrat Albert Rösti adressiert ist. Ihre Forderung ist berechtigt, denn Preispolitik ist immer auch Verkehrspolitik.
Politik muss die Finanzierungslücke im öV schliessen
Die Branche nennt zwei politische Ursachen für die Erhöhung. Erstens streicht das Entlastungspaket ab 2027 die Rückvergütung der Mineralölsteuer. Zweitens liegt der Kreditrahmen für den regionalen Personenverkehr unter dem angemeldeten Bedarf. Beide Entscheide fällte das Parlament und nicht die Alliance SwissPass. Wer tiefere öV-Preise will, muss deshalb im Bundeshaus ansetzen. Der Preisüberwacher kann nur bremsen, aber nicht steuern.
Wie stark steigen die öV-Preise im Vergleich zur Teuerung?
Die Tarife steigen um 3.6 Prozent, während die Jahresteuerung im Juli 2026 bei 0.4 Prozent lag.
Warum erhöht die öV-Branche die Preise trotz tiefer Inflation?
Sie nennt gestiegene Betriebskosten sowie den Wegfall der Mineralölsteuer-Rückvergütung und einen zu tiefen Kreditrahmen.
Kann der Preisüberwacher eine Preiserhöhung verbieten?
Er kann nach Artikel 10 des Preisüberwachungsgesetzes verfügen, sucht aber zuerst eine einvernehmliche Regelung.