Der E‑Auto-Anteil steigt im August auf 30 Prozent bei schrumpfendem Gesamtmarkt, wie aus den Zahlen von auto-schweiz hervorgeht. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden im August 16’047 Personenwagen immatrikuliert. Das sind 0,6 Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn zählt der Markt 151’589 Neuzulassungen. Das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent.
Die Augustzahlen im Überblick
Der August gilt traditionell als schwacher Monat. Ferienzeit und Modellwechsel drücken die Zahlen. Trotzdem fällt das Minus auf, weil es auf tiefem Niveau entsteht.
Bei den Antrieben zeigt sich ein anderes Bild. Reinelektrische Fahrzeuge legten im August um 48,7 Prozent zu. Ihr Anteil erreichte 30,2 Prozent der Neuzulassungen. Seit Jahresbeginn liegt der Wert bei 24,8 Prozent.
Rein fossile Antriebe verlieren weiter. Benzinfahrzeuge kommen kumuliert noch auf 20,6 Prozent, Diesel auf 5,5 Prozent. Im August war nur noch jedes fünfte Neufahrzeug rein fossil angetrieben.
Ein Schweizer Sonderwert bleibt stabil. Mehr als jeder zweite neue Personenwagen hat Allradantrieb, nämlich 52,5 Prozent.
Steckerfahrzeuge überholen erstmals die Hybride
Das ist der eigentliche Meilenstein. Steckerfahrzeuge erreichen seit Jahresbeginn 37,2 Prozent. Hybride ohne Stecker kommen auf 36,7 Prozent.
Der Abstand ist klein, die Richtung aber eindeutig. Noch vor wenigen Jahren dominierten Vollhybride diesen Bereich klar. Nun kippt das Verhältnis.
Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr lagen die Steckerfahrzeuge bei 36,3 Prozent. Der Anteil wächst also weiter.
Steckerhybride verlieren an Boden
Innerhalb der Steckerfahrzeuge verschiebt sich das Gewicht deutlich. Plug-in-Hybride gingen im August um 4,3 Prozent zurück. Ihr Monatsanteil lag noch bei 12,4 Prozent.
Der Trend hat mehrere Ursachen. Käuferinnen und Käufer erkennen zunehmend, dass ein Plug-in-Hybrid Ladedisziplin verlangt. Wer nicht regelmässig lädt, bewegt ein schweres Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.
Gleichzeitig drängen Vollhybride ohne Stecker in dieselbe Lücke. Volkswagen etwa startete im August den Vorverkauf eines neuen Vollhybrids für Golf und T‑Roc. Solche Systeme funktionieren ohne Ladeinfrastruktur.
Für Importeure ist diese Verschiebung heikel. Denn Plug-in-Hybride galten lange als Brückentechnologie zur Erfüllung der CO2-Ziele.
Warum der Verbandstitel untertreibt
Ein Detail verdient journalistische Aufmerksamkeit. auto-schweiz betitelt die Meldung mit «stabile Nachfrage nach E‑Autos».
Ein Zuwachs von 48,7 Prozent innerhalb eines Monats ist mehr als stabil. Die Wortwahl ist deshalb bemerkenswert zurückhaltend. Sie passt allerdings zur Kommunikationslinie. Der Verband betont durchgehend die angespannte Marktlage. Das zurückhaltende Wording stützt also die politischen Forderungen von auto-schweiz.
Zugleich ist bei Monatswerten Vorsicht geboten. Ein einzelner Monat kann Nachholeffekte, Modellanläufe oder Zulassungsaktionen enthalten. Der kumulierte Wert von 24,8 Prozent ist der belastbarere Indikator.
Der Schweizer Markt bleibt hinter Europa zurück
Der internationale Vergleich fällt ungünstig aus. Der europäische Markt wuchs zur Jahresmitte um mehr als fünf Prozent. Die Schweiz kommt nach acht Monaten auf 1,8 Prozent.
Eine grobe Hochrechnung ergibt rund 237’000 Fahrzeuge für das Gesamtjahr. Zum Vergleich: 2025 wurden rund 232’600 Personenwagen neu zugelassen. Vor der Pandemie lag der Markt bei über 300’000 Einheiten.
Die Erholung bleibt damit schwach. Für den Handel bedeutet das anhaltenden Druck auf Margen und Auslastung.
Die politische Agenda hinter der Meldung
Thomas Rücker, Direktor von auto-schweiz, verbindet die Zahlen mit zwei Forderungen. Erstens verlangt er eine Deregulierung und Flexibilisierung der CO2-Vorschriften analog zu Europa. Zweitens warnt er vor neuen Abgaben auf Elektrofahrzeuge.
Diese Position ist nachvollziehbar und zugleich interessengeleitet. auto-schweiz vertritt 41 Mitglieder mit 63 Marken. Sie importieren über 90 Prozent der Neuwagen und bedienen mehr als 4000 Markenvertreter.
Verfehlen Importeure die CO2-Zielwerte, zahlen sie Sanktionen. Diese fliessen in die Strassenfinanzierung. Eine Flexibilisierung senkt also unmittelbar die Kosten der Mitglieder.
Die Gegenposition lautet: Weichere Zielwerte verlangsamen die Elektrifizierung. Umwelt- und Verkehrsverbände argumentieren entsprechend. Beide Seiten führen dabei valable Punkte ins Feld.
Streit um die geplante Abgabe auf Elektrofahrzeuge
Der zweite Punkt betrifft eine laufende Vorlage. Der Bundesrat eröffnete im September 2025 die Vernehmlassung zu einer Abgabe auf Elektrofahrzeuge.
Hintergrund ist die Strassenfinanzierung. Die Infrastruktur des Bundes ist vollständig nutzerfinanziert. Wichtigste Einnahmequelle ist die Mineralölsteuer. Mit jedem Elektrofahrzeug sinken diese Erträge.
Zur Diskussion stehen zwei Varianten. Die eine besteuert die in der Schweiz gefahrenen Kilometer. Die andere besteuert den Ladestrom, im Vorschlag mit 22,8 Rappen pro Kilowattstunde. Die Einführung ist ab 2030 vorgesehen.
Der Weg ist lang. Es braucht eine Verfassungsänderung und damit eine Volksabstimmung.
Die Positionen liegen nicht so weit auseinander, wie es scheint. Der TCS anerkennt den Beitrag aller Verkehrsteilnehmenden, verlangt aber Aufkommensneutralität. Der VCS hält eine verursachergerechte Finanzierung für richtig, warnt jedoch vor einer zu hohen oder überstürzten Belastung.
Umstritten ist also weniger das Ob als das Wie und Wann.
Gesamtmarkt stagniert auf tiefem Niveau
Die Zahlen zeigen zwei Bewegungen gleichzeitig. Der Gesamtmarkt stagniert auf tiefem Niveau. Der Antriebsmix verschiebt sich dagegen schnell.
Für Importeure und Handel ist das eine schwierige Kombination. Sie müssen in Elektrifizierung investieren, ohne über Volumenwachstum zu profitieren.
Für Kaufinteressierte bleibt die Lage vorerst günstig. Das Angebot wächst, der Wettbewerbsdruck ist hoch. Wer allerdings langfristig rechnet, sollte die Abgabediskussion im Blick behalten. Denn ein Fahrzeug, das heute gekauft wird, fährt oft noch 2030.
Wie viele Neuwagen wurden im August 2026 zugelassen?
16’047 Personenwagen in der Schweiz und Liechtenstein. Das ist ein Minus von 0,6 Prozent.
Wie hoch ist der Elektroanteil?
Im August 30,2 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt er bei 24,8 Prozent.
Was sind Steckerfahrzeuge?
Reinelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride zusammen. Sie erreichen kumuliert 37,2 Prozent.
Was ist der Meilenstein dieser Statistik?
Steckerfahrzeuge haben erstmals die Hybride ohne Stecker überholt. Diese kommen auf 36,7 Prozent.
Wie entwickeln sich Plug-in-Hybride?
Rückläufig. Im August sanken sie um 4,3 Prozent, ihr Monatsanteil lag bei 12,4 Prozent.
Wie viele Neuwagen fahren noch rein fossil?
Kumuliert 20,6 Prozent Benzin und 5,5 Prozent Diesel. Im August war es noch jedes fünfte Fahrzeug.
Wie schneidet die Schweiz im europäischen Vergleich ab?
Schlechter. Europa wuchs zur Jahresmitte um über fünf Prozent, die Schweiz nach acht Monaten um 1,8 Prozent.
Was fordert auto-schweiz?
Eine Deregulierung und Flexibilisierung der CO2-Vorschriften sowie den Verzicht auf neue Abgaben für Elektrofahrzeuge.
Welche Abgabe auf Elektrofahrzeuge ist geplant?
Der Bundesrat schlägt zwei Varianten vor, eine auf der Fahrleistung und eine auf dem Ladestrom. Vorgesehen ist die Einführung ab 2030.
Kommt die Abgabe sicher?
Nein. Sie erfordert eine Verfassungsänderung und damit eine Volksabstimmung.