Die Regenten der Stadt Baden beabsichtigen bereits im kommenden Jahr 35 Prozent der Parkplätze zum Verschwinden zu bringen. Die Zahl der Abstellflächen soll von 1400 auf 900 herabgesetzt werden. Der Gewerbeverband läuft dagegen Sturm, fürchtet Umsatzeinbussen. Wohl zurecht!
Im Widerspruch zur allgemeinen Entwicklung
Die Massnahmen, welche sich vor allem rot-grün regierte Städte auf ihre Fahne geheftet haben, bewegen sich komplett im Widerspruch zur allgemeinen Entwicklung. Während die Bevölkerung rasant wächst und damit als logische Konsequenz auch das Verkehrsvolumen ansteigt, setzt man auf Seiten der Infrastruktur auf Abbau.
Die Stadt Baden hat schon mal, in den 80er-Jahren, eine ähnlich gelagerte Initiative lanciert. Der damals amtierende Stadtplaner verkündete, man wolle den Individualverkehr auf Stadtgebiet erschweren und damit vom Zentrum fernhalten. Ich liess ihn damals in einem persönlichen Brief wissen: «Ich habe Ihre Worte und Ihre Absichten zur Kenntnis genommen. Einen ersten Erfolg können Sie sich bereits in ihr Heftchen schreiben: Ich werde die Stadt Baden inskünftig meiden und mein Geld woanders ausgeben!» Eine Antwort habe ich natürlich nie gekriegt. Übrigens: Die gleichen Kreise setzen beim Bau eines Einkaufs-Centers eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen voraus, ohne die es sonst keine Bewilligung gibt…
Und wo blieben all die Naturliebhaber?
Ein ähnliches Beispiel ist mir aus der nur gerade 10 Kilometer von Baden entfernten Stadt Brugg bekannt. Ebenfalls in den 80er-Jahren machten sich die einschlägig bekannten Kreise für eine verkehrsfreie Altstadt stark. Das Ansinnen übersprang die Hürde des Urnengangs. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Altstadt von Brugg zu den Stosszeiten verstopft war. Damals war die Verbindungslücke auf dem Nationalstrassennetz zwischen Zürich und Basel, die A3 durchs Fricktal, noch nicht erschlossen. Dieses Bauvorhaben wurde schliesslich durch Einsprachen um rund 20 Jahre verzögert, und, als Folge davon auch um das x‑fache verteuert.
Nun gut, die Brugger Altstadt jedenfalls war mit Ausnahme der Zulieferungen vom motorisierten Verkehr befreit. Was passierte? – Wer nun glaubt, die Altstadt sei zum Kleinod einer heilen Welt mutiert, welche die Besucher in Strömen anzog, sah sich schnell getäuscht. All die zuvor lautstarken Naturburschen und Naturmädels blieben aus. Die Altstadt wurde zum Waisenhaus. Die Mieter der dort ansässigen Ladenlokale wechselten fast im Halbjahrestakt – sie konnten mangels Publikumsverkehr nicht existieren. Die Leute zogen es vor, ins nahegelegene Einkaufszentrum am Neumarkt I und II zu fahren, ihre Karre in die Tiefgarage zu steuern, den Einkaufswagen zu füllen, ihren Kofferraum zu füllen und dann wieder abzuzischen.
Umweltsch(m)utz
Wie bereits gesagt: Wer die Verkehrsplanung vieler Städte wie etwa Zürich, Basel, Luzern, Bern, Genf, Lausanne etc. verfolgt, wird leichthin ein einheitliches Muster feststellen: Man will den Individualverkehr verbannen, vergraulen. Dazu fällt mir ein Beispiel aus der Stadt Zürich ein, welches Ursache und Wirkung eindrücklich aufzeigt. Ich musste meinen Sohn in die Schulthess-Klinik nach Zürich bringen. Dazu musste ich quasi die ganz Stadt durchqueren. Von Baden bis eingangs Zürich, auf der Autobahn bei gut 120 km/h, zeigte mein Bordcomputer einen Treibstoffverbrauch von 6,3 l/100 km an. Dies auf einer Strecke von rund 25 Kilometer. Durch die Stadt Zürich dann mit all ihren Verkehrsberuhigungsmassnahmen (30er-Zonen, Verengungen, Einbahnen) stieg der Verbrauch dann auf vielleicht 8 Kilometer Strecke auf satte 9,6 l/100 km an. Umweltpolitik der schmutzigsten Sorte! Das einzig Positive daran: Die Bewohner, welche solche Eingriffe befürworten und ermöglichen, müssen jene Luft einatmen, die sich doch so sehr schützen wollen.