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Individualverkehr aus Städten verbannen

Verkehrte Verkehrspolitik

Anfangs Oktober machte eine Schlagzeile die Runde, die sich ins Machwerk meist rot-grün regierter Städte reiht: «Stadt Baden will 500 Parkplätze abbauen». Es ist dies inzwischen eine von vielen Massnahmen, wie man den Individualverkehr von den Zentren fernhalten will. Dass damit die Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung ausgeblendet wird, scheint die Urheber nicht zu interessieren.
© Erwin Kartnaller
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Viele Städte, ob klein oder gross, ergreifen Massnahmen, um den Individualverkehr zu verbannen.
• Der Parkplatzabbau angesichts des Verkehrswachstums offenbart ein limitiertes Denkvermögen.
• Viele der Massnahmen schädigen das ortsansässige Gewerbe und die Umwelt.

Die Regen­ten der Stadt Baden beab­sichti­gen bere­its im kom­menden Jahr 35 Prozent der Park­plätze zum Ver­schwinden zu brin­gen. Die Zahl der Abstell­flächen soll von 1400 auf 900 her­abge­set­zt wer­den. Der Gewer­be­ver­band läuft dage­gen Sturm, fürchtet Umsatzein­bussen. Wohl zurecht!

Im Widerspruch zur allgemeinen Entwicklung

Die Mass­nah­men, welche sich vor allem rot-grün regierte Städte auf ihre Fahne geheftet haben, bewe­gen sich kom­plett im Wider­spruch zur all­ge­meinen Entwick­lung. Während die Bevölkerung ras­ant wächst und damit als logis­che Kon­se­quenz auch das Verkehrsvol­u­men ansteigt, set­zt man auf Seit­en der Infra­struk­tur auf Abbau.

Die Stadt Baden hat schon mal, in den 80er-Jahren, eine ähn­lich gelagerte Ini­tia­tive lanciert. Der damals amtierende Stadt­plan­er verkün­dete, man wolle den Indi­vid­u­alverkehr auf Stadt­ge­bi­et erschw­eren und damit vom Zen­trum fern­hal­ten. Ich liess ihn damals in einem per­sön­lichen Brief wis­sen: «Ich habe Ihre Worte und Ihre Absicht­en zur Ken­nt­nis genom­men. Einen ersten Erfolg kön­nen Sie sich bere­its in ihr Heftchen schreiben: Ich werde die Stadt Baden inskün­ftig mei­den und mein Geld woan­ders aus­geben!» Eine Antwort habe ich natür­lich nie gekriegt. Übri­gens: Die gle­ichen Kreise set­zen beim Bau eines Einkaufs-Cen­ters eine aus­re­ichende Anzahl von Park­plätzen voraus, ohne die es son­st keine Bewil­li­gung gibt…

Und wo blieben all die Naturliebhaber?

Ein ähn­lich­es Beispiel ist mir aus der nur ger­ade 10 Kilo­me­ter von Baden ent­fer­n­ten Stadt Brugg bekan­nt. Eben­falls in den 80er-Jahren macht­en sich die ein­schlägig bekan­nten Kreise für eine verkehrs­freie Alt­stadt stark. Das Ansin­nen über­sprang die Hürde des Urnen­gangs. Es lässt sich nicht bestre­it­en, dass die Alt­stadt von Brugg zu den Stosszeit­en ver­stopft war. Damals war die Verbindungslücke auf dem Nation­al­strassen­netz zwis­chen Zürich und Basel, die A3 durchs Frick­tal, noch nicht erschlossen. Dieses Bau­vorhaben wurde schliesslich durch Ein­sprachen um rund 20 Jahre verzögert, und, als Folge davon auch um das x‑fache ver­teuert.

Nun gut, die Brug­ger Alt­stadt jeden­falls war mit Aus­nahme der Zuliefer­un­gen vom motorisierten Verkehr befre­it. Was passierte? – Wer nun glaubt, die Alt­stadt sei zum Klein­od ein­er heilen Welt mutiert, welche die Besuch­er in Strö­men anzog, sah sich schnell getäuscht. All die zuvor laut­starken Natur­burschen und Natur­mädels blieben aus. Die Alt­stadt wurde zum Waisen­haus. Die Mieter der dort ansäs­si­gen Laden­lokale wech­sel­ten fast im Hal­b­jahrestakt – sie kon­nten man­gels Pub­likumsverkehr nicht existieren. Die Leute zogen es vor, ins nahegele­gene Einkauf­szen­trum am Neu­markt I und II zu fahren, ihre Karre in die Tief­garage zu steuern, den Einkauf­swa­gen zu füllen, ihren Kof­fer­raum zu füllen und dann wieder abzuzis­chen.

Umweltsch(m)utz

Wie bere­its gesagt: Wer die Verkehrs­pla­nung viel­er Städte wie etwa Zürich, Basel, Luzern, Bern, Genf, Lau­sanne etc. ver­fol­gt, wird leichthin ein ein­heitlich­es Muster fest­stellen: Man will den Indi­vid­u­alverkehr ver­ban­nen, ver­graulen. Dazu fällt mir ein Beispiel aus der Stadt Zürich ein, welch­es Ursache und Wirkung ein­drück­lich aufzeigt. Ich musste meinen Sohn in die Schulthess-Klinik nach Zürich brin­gen. Dazu musste ich qua­si die ganz Stadt durch­queren. Von Baden bis ein­gangs Zürich, auf der Auto­bahn bei gut 120 km/h, zeigte mein Bor­d­com­put­er einen Treib­stof­fver­brauch von 6,3 l/100 km an. Dies auf ein­er Strecke von rund 25 Kilo­me­ter. Durch die Stadt Zürich dann mit all ihren Verkehrs­beruhi­gungs­mass­nah­men (30er-Zonen, Veren­gun­gen, Ein­bah­nen) stieg der Ver­brauch dann auf vielle­icht 8 Kilo­me­ter Strecke auf sat­te 9,6 l/100 km an. Umwelt­poli­tik der schmutzig­sten Sorte! Das einzig Pos­i­tive daran: Die Bewohn­er, welche solche Ein­griffe befür­worten und ermöglichen, müssen jene Luft einat­men, die sich doch so sehr schützen wollen.

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