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Dreidimensionaler Blick auf aktive Katalysatoren

Grundlage zur weiteren Effizienzsteigerung von Katalysatoren

Forschende ermöglichen erstmals einen dreidimensionalen Blick auf aktive Katalysatoren im Betrieb. Mithilfe operando-Röntgenspektroskopie werden Struktur, chemischer Zustand und Effizienz industrieller Katalysatoren unter realen Bedingungen sichtbar gemacht.
© Paul Scherrer Institut PSI / Markus Fischer
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• 3-D-Analyse aktiver Katalysatoren unter realen Betriebsbedingungen.
• Kombination aus Tomografie und Röntgenspektroskopie liefert neue Erkenntnisse.
• Grundlage für effizientere und umweltfreundlichere Katalysatoren.

Struk­tur und Funk­tion von Katalysatoren in Aktion zu ver­ste­hen – das ermöglicht ein von Forschen­den des Karl­sruher Insti­tuts für Tech­nolo­gie (KIT) mit Kol­le­gen an der Syn­chro­tron Lichtquelle Schweiz SLS am Paul Scher­rer Insti­tut PSI in der Schweiz und an der Euro­pean Syn­chro­tron Radi­a­tion Facil­i­ty (ESRF) in Frankre­ich einge­set­ztes inno­v­a­tives Diag­no­se­in­stru­ment: Die operan­do-Rönt­gen­spek­troskopie visu­al­isiert Struk­tur und Gra­di­en­ten kom­plex­er tech­nis­ch­er Katalysatoren in 3‑D und erlaubt einen Blick ins Innere funk­tion­ieren­der chemis­ch­er Reak­toren. 

Einblicke in eine höchst komplexe Struktur

Die Katal­yse ist für viele Branchen unent­behrlich. So wer­den 95 Prozent aller Chemikalien mith­il­fe von Katalysatoren hergestellt. Auch für Energi­etech­nolo­gien und beim Umweltschutz übernehmen Katalysatoren eine Schlüs­sel­rolle. Katalysatoren sind Stoffe, die chemis­che Reak­tio­nen beschle­u­ni­gen, um Energie zu sparen und uner­wün­schte Neben­pro­duk­te zu ver­mei­den. Auf diesem chemisch-physikalis­chen Prinzip basieren ganze Anla­gen, beispiel­sweise Katalysatoren in Fahrzeu­gen oder Kraftwerken zur Reduk­tion von Schad­stof­fe­mis­sio­nen in der Abluft. Tech­nis­che und indus­trielle Katalysatoren wer­den unter anderem auch in der Düngemit­tel- und in der Poly­mer­her­stel­lung einge­set­zt. Oft müssen sie einem hohen Druck stand­hal­ten und eine hohe mech­a­nis­che Fes­tigkeit aufweisen. Darüber hin­aus arbeit­en sie unter dynamis­chen Umge­bungs­be­din­gun­gen.

Bei Katalysatoren brin­gen schon kleine Effizien­zsteigerun­gen, sei es bei der Ent­fer­nung von Schad­stof­fen wie Kohlen­monox­id, Stick­ox­i­den und Fein­staub aus Abgasen, sei es bei der Pro­duk­tion von grünem Wasser­stoff, wesentliche Vorteile für Men­sch und Umwelt. Um kat­alytis­che Mate­ri­alien und Meth­o­d­en zu verbessern, bedarf es allerd­ings eines genauen Ver­ständ­niss­es ihrer Funk­tion. «Ob in einem grossen chemis­chen Reak­tor, in ein­er Bat­terie oder unter einem Auto – tech­nis­che und indus­trielle Katalysatoren besitzen eine hochkom­plexe Struk­tur», sagt Dr. Thomas Shep­pard vom Insti­tut für Tech­nis­che Chemie und Poly­merchemie (ITCP) des KIT. «Um wirk­lich zu ver­ste­hen, wie diese Mate­ri­alien funk­tion­ieren, müssen wir einen Blick in das Innere des Reak­tors wer­fen, während der Katalysator arbeit­et – am besten mit einem ana­lytis­chen Werkzeug, das einen Ein­blick in die kom­plexe 3‑D-Struk­tur des aktiv­en Katalysators erlaubt.»

3‑D-Bilder einer Probe

Thomas Shep­pard leit­ete eine Studie zu Fahrzeugkatalysatoren, über deren Ergeb­nisse die beteiligten Wis­senschaft­lerin­nen und Wis­senschaftler vom KIT sowie vom PSI und von der ESRF nun in der Zeitschrift Nature Catal­y­sis bericht­en. Zur Unter­suchung der Katalysatoren set­zte das Team ein neu entwick­eltes Set-up ein und nutzte die unter anderem von Dario Fer­reira Sanchez (1. Bild) vom PSI entwick­el­ten Ansätze der Rönt­gen-Com­put­er­spek­tro­to­mo­grafie für Tomo­grafie-Exper­i­mente an der Syn­chro­tron Lichtquelle Schweiz SLS in der Schweiz und an der Syn­chro­tron Radi­a­tion Facil­i­ty in Frankre­ich durch.

«Die Com­put­er­to­mo­grafie liefert 3‑D-Bilder ein­er Probe, und zwar sowohl von aussen wie auch von innen, ohne dass die Probe aufgeschnit­ten wer­den muss», sagt Dario Fer­reira Sanchez. Anhand eines speziellen Reak­tors ver­fol­gten die Forschen­den einen aktiv­en kat­alytis­chen Prozess mit Tomo­grafie und Rönt­gen­spek­troskopie. So gelang es ihnen, die 3‑D-Struk­tur eines Katalysators zur Emis­sion­skon­trolle unter Bedin­gun­gen zu beobacht­en, die denen in realen Autoab­gasen entsprechen. Diese soge­nan­nte operan­do-Rönt­gen­spek­troskopie liefert nicht nur die 3‑D-Struk­tur der Probe, son­dern auch wichtige chemis­che Infor­ma­tio­nen.

eine wichtige diagnostische Information für die Leistung von Katalysatoren

«Da Katalysatoren oft eine so kom­plexe und unein­heitliche Struk­tur aufweisen, ist es wichtig zu wis­sen, ob das gesamte Katalysator­vol­u­men oder nur Teile davon ihre chemis­che Funk­tion wie vorge­se­hen erfüllen», erk­lärt Johannes Bech­er vom ITCP des KIT, ein­er der Haup­tau­toren der Studie. «Mit der operan­do-Rönt­gen­spek­troskopie kön­nen wir die spez­i­fis­che Struk­tur und Funk­tion jedes einzel­nen Teils betra­cht­en. Dies zeigt uns, ob der Katalysator mit max­i­maler Effizienz arbeit­et und – was noch wichtiger ist – ermöglicht uns, die zugrunde liegen­den Prozesse zu ver­ste­hen.»

Während der Reak­tion beobachtete das Team einen struk­turellen Gra­di­en­ten der aktiv­en Kupfer­spezies inner­halb des Katalysators, der zuvor mit herkömm­lichen ana­lytis­chen Werkzeu­gen nicht nachgewiesen wer­den kon­nte. Dies ist eine wichtige diag­nos­tis­che Infor­ma­tion für die Leis­tung von Katalysatoren zur Emis­sion­skon­trolle. Die Meth­ode an sich lässt sich jedoch für viele ver­schiedene Katalysatoren und chemis­che Prozesse anwen­den.

Schlüssel zur Entwicklung besserer und effizienterer Katalysatoren

Die Stu­di­en des Teams zeigen, wie die Visu­al­isierung des chemis­chen Zus­tands eines aktiv­en Katalysators in 3‑D neue Möglichkeit­en für die Mate­r­i­al- und Reak­tions­di­ag­nos­tik eröffnet. «Bish­er war es nicht möglich zu unter­suchen, welche Reak­tio­nen in einem beliebig gewählten Teil eines funk­tion­ieren­den Katalysators ablaufen, ohne sie zu stören. Nun kön­nen wir genau ver­fol­gen, welche Reak­tio­nen ablaufen, wo und warum», erk­lärt Pro­fes­sor Jan-Dierk Grun­waldt vom ITCP. «Dies ist der Schlüs­sel zu einem besseren Ver­ständ­nis der chemis­chen Prozesse und zur Entwick­lung besser­er und effizien­ter­er Katalysatoren in der Zukun­ft.»

Das PSI ist mit 2300 Mitar­bei­t­en­den und einem jährlichen Bud­get von CHF 450 Mil­lio­nen das grösste Forschungsin­sti­tut für Natur- und Inge­nieur­wis­senschaften in der Schweiz. Es ist der zen­trale Stan­dort der Schweiz­er Gross­forschungsan­la­gen. Als Teil des ETH-Bere­ichs ist das PSI ein entschei­den­der Pfeil­er der Schweiz­er Forschungs­land­schaft und betreibt Spitzen­forschung in den Bere­ichen Zukun­ft­stech­nolo­gien, Energie und Kli­ma, Health Inno­va­tion sowie Grund­la­gen der Natur.

Das PSI entwick­elt, baut und betreibt hochkom­plexe Teilchenbeschle­u­niger-basierte Gross­forschungsan­la­gen. Diese ste­hen der Wis­senschaft wie auch der Indus­trie zur Ver­fü­gung. Forschende sowohl aus der Schweiz als aus der ganzen Welt bewer­ben sich um Messzeit an den Gross­forschungsan­la­gen des PSI, die in dieser Kom­bi­na­tion weltweit einzi­gar­tig sind. Rund 3000 Gast­forschende sowohl aus der Schweiz als auch aus der ganzen Welt nutzen jährlich die Gross­forschungsan­la­gen des PSI für ihre Forschung.

https://www.psi.ch/de

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