Werbung
Slide Heading
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.
Click Here
Studie zur Abhängigkeit von Erdöl und realisierbaren Alternativen

Europa könnte fossile Treibstoffe im Strassenverkehr vollständig ersetzen

Eine KIT-Studie zeigt grosses Potenzial für erneuerbare Treibstoffe in Europa. Rest- und Abfallstoffe könnten den Strassenverkehr bis 2040 weitgehend fossilfrei versorgen. Dafür braucht es geeignete Technologien, zusätzliche Wasserstoffmengen und politische Unterstützung.
© Markus Breig/Amadeus Bramsiepe, KIT
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Grosses Potenzial: Europa könnte seinen Strassenverkehr bis 2040 mit erneuerbaren Treibstoffen versorgen.
• Nachhaltige Rohstoffe: Pflanzenreste, Holzreste und Bioabfälle bieten besonders grosse Mengen.
• Technologie und Politik: Verfahren wie HVO und reFuels benötigen geeignete Rahmenbedingungen und weitere Entwicklung.

Europa kön­nte seinen gesamten Treib­stoff­be­darf für den Strassen­verkehr bis zum Jahr 2040 aus erneuer­baren Quellen deck­en – bis 2030 bere­its mehr als zur Hälfte. Das haben Forschende des Karl­sruher Insti­tuts für Tech­nolo­gie (KIT) berech­net. Dem­nach ver­fügt die Europäis­che Union über aus­re­ichend Rest- und Abfall­stoffe, um den gesamten Strassen­verkehr mit kli­ma­neu­tralen flüs­si­gen Energi­eträgern zu ver­sor­gen. Für die Studie unter­sucht­en die Forschen­den, welche Men­gen bio­gen­er Rohstoffe – also pflan­zliche Rest­stoffe, Holzreste oder Bioabfälle – in Europa vorhan­den sind, wie sie sich tech­nisch zu erneuer­baren Treib­stof­fen umwan­deln lassen und welchen Treib­stoff­be­darf der Strassen­verkehr kün­ftig haben wird.

Ein Befreiungsschlag aus der Abhängigkeit

„Europa ver­fügt langfristig über aus­re­ichend nach­haltige Ressourcen, um ohne fos­siles Öl mobil zu sein“, sagt Pro­fes­sor Thomas Hirth, Vizepräsi­dent Trans­fer und Inter­na­tionales des KIT. „Angesichts der aktuellen Unsicher­heit­en auf den inter­na­tionalen Energiemärk­ten ist das eine gute Nachricht. Wenn wir Rest- und Abfall­stoffe effizient nutzen, kön­nen wir den Strassen­verkehr unab­hängiger von Energieim­porten machen und gle­ichzeit­ig CO₂-Emis­sio­nen senken.“

Vielfalt erneuerbarer Rohstoffe macht Europa unabhängiger

Der im Auf­trag der BMW AG durchge­führten Studie wur­den Rah­menbe­din­gun­gen für eine ambi­tion­ierte Erfül­lung des Paris­er Kli­maschutz­abkom­mens zugrunde gelegt. Sie bezieht sich auf ein gün­stiges Szenario, dessen Voraus­set­zun­gen von Poli­tik und Gesellschaft zum Teil noch geschaf­fen wer­den müssen. Die Studie zeigt, dass beson­ders grosse Men­gen an Rest- und Abfall­stof­fen genutzt wer­den kön­nen – zum Beispiel Stroh aus der Land­wirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft oder bio­gene Abfälle. Hinzu kom­men Zwis­chen­früchte, also Pflanzen, die zwis­chen zwei Ern­ten ange­baut wer­den, sowie Energiepflanzen, die auf wenig ertra­gre­ichen Böden wach­sen und nicht mit der Nahrungsmit­tel­pro­duk­tion konkur­ri­eren.

Diese Vielfalt sorgt dafür, dass die Rohstoff­ba­sis sta­bil bleibt und nicht von einem einzel­nen Stoff abhängt: „Viele glauben, dass Alt-Speiseöl die zen­trale Quelle für erneuer­bare Treib­stoffe ist. Tat­säch­lich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoff­port­fo­lios aus“, sagt Pro­fes­sor Thomas Koch vom Insti­tut für Kol­ben­maschi­nen (IFKM) des KIT, der die Studie geleit­et hat. „Die wirk­lich grossen Poten­ziale liegen beispiel­sweise in Pflanzen­resten und Holz­fasern. Diese Stoffe fall­en ohne­hin an – und kön­nen aus­re­ichend kli­mafre­undliche Treib­stoffe liefern. Das kann aber nur gelin­gen, wenn der Her­stel­lung von fortschrit­tlichen reFu­els-Biotreib­stof­fen von Poli­tik und Gesellschaft die notwendi­ge Pri­or­ität eingeräumt wird.“

Vom Reststoff zum Treibstoff

Die Forschen­den unter­sucht­en mehrere tech­nis­che Wege, um aus Bio­masse nutzbare Treib­stoffe herzustellen. Dazu zählt das HVO-Ver­fahren (HVO ste­ht für „Hydrotreat­ed Veg­etable Oil“), bei dem ölhaltige Rest­stoffe zu Diesel­er­satz hydri­ert wer­den, sowie methanol­basierte Ver­fahren. Bei diesen entste­ht aus Pflanzen­resten als Zwis­chen­pro­dukt zunächst ein Gas, das anschliessend zu Ben­zin- oder Diesel­er­satz weit­er­ver­ar­beit­et wird. „Mit diesen Ver­fahren kön­nen wir aus sehr unter­schiedlichen Rest­stof­fen hochw­er­tige Treib­stoffe her­stellen“, sagt Pro­fes­sor Nico­laus Dah­men vom Insti­tut für Katal­y­se­forschung und ‑entwick­lung des KIT. „Das ist wichtig, weil Europa über eine bre­ite Palette an Bio­massen ver­fügt. Die Tech­nolo­gien funk­tion­ieren auch dann, wenn der Rohstoffmix sich ändert.“ 

Während es HVO schon an der Zapf­säule gibt, sind Treib­stoffe aus anderen Ver­fahren noch in der Entwick­lung. Sie wer­den am KIT bere­its hergestellt und in Autos getestet. Mit den erprobten Ver­fahren lassen sich auch grosse Men­gen Treib­stoff erzeu­gen. Die Studie zeigt ausser­dem: Wenn zusät­zlich Wasser­stoff zuge­führt wird, steigt die Aus­beute nochmals deut­lich.

Trotz Elektromobilität bleibt flüssiger Treibstoff wichtig

Auch wenn Europa sehr ambi­tion­iert elek­tri­fiziere, bleibe ein gross­er Bedarf an flüs­si­gen Treib­stof­fen beste­hen, so Dr. Olaf Toedter vom IFKM. „Viele Fahrzeuge bleiben noch lange im Ein­satz. Für diese Bestands­flotte bieten erneuer­bare Treib­stoffe eine direk­te Möglichkeit, CO₂-Emis­sio­nen zu ver­mei­den.“ 

Was die Studie untersucht – und was nicht

Die Analyse unter­sucht, welche nach­halti­gen Rohstoffe in Europa ver­füg­bar sind, wie sich diese über ver­schiedene tech­nis­che Ver­fahren in erneuer­bare Treib­stoffe umwan­deln lassen und welche Men­gen dabei entste­hen kön­nen. Zugrunde gelegt wur­den Rah­menbe­din­gun­gen für eine ambi­tion­ierte Erfül­lung des Paris­er Kli­maschutz­abkom­mens. Die Forschen­den beziehen sich in der Studie auf ein gün­stiges Szenario, dessen Voraus­set­zun­gen von Poli­tik und Gesellschaft zum Teil noch geschaf­fen wer­den müssen. Sie betra­chtet ausser­dem, wie sich die Fahrzeugflot­ten in den kom­menden Jahren entwick­eln, welchen Anteil am Verkehr erneuer­bare Treib­stoffe dabei erset­zen kön­nen und welche Konkur­renz es durch andere Sek­toren wie Indus­trie, Energie oder Luft- und Schiff­fahrt gibt. 

Das KIT hat die Studie in Zusam­me­nar­beit mit dem DBFZ (Deutsches Bio­masse­forschungszen­trum gemein­nützige GmbH) und den Fir­men Frey­berg­er engi­neer­ing GmbH sowie der Fa BMW AG im Auf­trag der BMW AG durchge­führt.

Zur Studie

Kommentare:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge

TECTRUM RS32 Abrollkipper

Das neue Kraftpaket von Meiller

Der neue TECTRUM RS32 Abrollkipper von MEILLER bietet 32 Tonnen Nennlast und hohe Belastbarkeit. Dank modularer Bauweise, vielfältiger Ausstattungen und internationaler Varianten eignet er sich für anspruchsvolle Einsätze. Vorgestellt wird er auf der IAA Transportation 2026.

Fahrzeugentwicklung

Audi entwickelt den Nuvolari in 405 Tagen

Nur 405 Tage von der ersten Skizze bis zum fahrbaren Prototyp hat Audi für die Entwicklung des neuen Nuvolari gebraucht. Ein autarkes Projektteam soll das Tempo ermöglicht haben. Die Zahl beschreibt allerdings nur einen Teil des Wegs. Für die Branche steht dahinter eine grössere Frage: Wie schnell entwickelt Europa noch?

Der Zusammenhang von Verkehrsverhalten und Verkehrsfluss

Was bringen mehr Spuren, wenn die Leute nicht spuren?

Mehr Fahrspuren lösen Verkehrsprobleme nicht automatisch. Entscheidend sind Verkehrsfluss, richtiges Spurverhalten und gegenseitige Rücksichtnahme. Wer Einfädeln, Reissverschluss und Spurwechsel nicht beherrscht, verursacht unnötige Staus und erhöht damit in umweltschädigender Weise den Treibstoffverbrauch.