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U-Shift: Modulares, autonomes Nutzfahrzeug

Ein Vehikel für (fast) alle Fälle

Das U-Shift-System verbindet ein autonomes Driveboard mit austauschbaren Kapseln. Dadurch kann ein Fahrzeug Personen transportieren, Pakete liefern oder Services übernehmen. Das modulare Konzept soll Mobilität flexibler, effizienter und nachhaltiger machen.
Amadeus Bramsiepe, KIT
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Flexibel: Austauschbare Kapseln ermöglichen Personenverkehr, Logistik und mobile Dienstleistungen.
• Autonom: Das Driveboard nimmt Kapseln selbstständig auf und führt präzise Andockmanöver aus.
• Nachhaltig: Die Mehrfachnutzung eines Fahrzeugs kann Ressourcen sparen und neue Mobilitätsangebote ermöglichen.

An mul­ti­funk­tionalen Nutz­fahrzeu­gen wird schon seit Urzeit­en gear­beit­et. Erin­nert sei an die Bilder, natür­lich noch zeit­gemäss in schwarz/weiss, die das Chas­sis eines Last­wa­gens zeigen, der an Werk­ta­gen mit ein­er Lade­brücke verse­hen war und im Güter­trans­port seinen Dienst ver­richtete. An Woch­enen­den oder bei Bedarf wurde der Auf­bau durch eine Fahrgastzelle erset­zt und — schwup­ps — hat­te man einen Reise­car. So richtig durchge­set­zt hat sich dieses Sys­tem allerd­ings nie richtig. Heutige Wech­sel­sys­teme beschränken sich in der Regel auf die ver­schiede­nen Ein­satzge­bi­ete im Güter­trans­port. Dort sind sie indes längst Stan­dard. Nun aber gibt es im Zeichen der verän­derten Mobil­ität zahlre­iche Forschungs- und Pilot­pro­jek­te, welche die Idee des mod­u­laren Trans­ports wieder auf­greifen. Es sei hier am Beispiel eines aktuellen Pro­jek­ts des Karl­sruher Insti­tuts für Tech­nolo­gie (KIT) aufgezeigt.

Modulares autonomes Fahrzeug U‑Shift für flexible Mobilität

Ein fahrerlos­es Fahrzeugkonzept, das sich schnell und automa­tisch an unter­schiedliche Auf­gaben anpasst, haben Forschende mehrerer Wis­senschaft­sein­rich­tun­gen in Baden-Würt­tem­berg im Pro­jekt U‑Shift II gemein­sam weit­er­en­twick­elt. Es knüpft an frühere U‑Shift-Pro­jek­te an, in denen das Grund­prinzip bere­its vorgestellt wurde. Die fahrende Plat­tform kann selb­st­ständig ver­schiedene Auf­baut­en – Kapseln genan­nt – aufnehmen und wieder abset­zen. So kann ein einziges Fahrzeug zum Beispiel mor­gens Men­schen trans­portieren, mit­tags Pakete aus­liefern und abends als mobile Ser­vice- oder Ver­sorgung­sein­heit dienen. So wird Mobil­ität kün­ftig flex­i­bler, effizien­ter und nach­haltiger. Die neueste Gen­er­a­tion des Konzepts wurde am 18. Juni 2026 am Karl­sruher Insti­tut für Tech­nolo­gie vorgestellt.  

Ein Fahrzeug für viele Anwendungen

Das U‑Shift-Sys­tem ermöglicht zahlre­iche Ein­satzmöglichkeit­en. Dazu gehören On-Demand-Ange­bote im öffentlichen Nahverkehr und flex­i­ble Liefer­di­en­ste. Auch mobile medi­zinis­che Ange­bote sind denkbar. Eben­so kön­nen tem­poräre Unterkün­fte mit dem Sys­tem real­isiert wer­den.

Das Konzept tren­nt Fahrzeug und Funk­tion kon­se­quent voneinan­der. Diese Idee wurde am Deutschen Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR) entwick­elt. Am DLR wird der Ansatz seit mehreren Jahren kon­tinuier­lich weit­er­en­twick­elt. Dabei entste­hen neue Lösun­gen für automa­tisierte und mod­u­lare Mobil­ität­skonzepte.

Nachhaltige Mobilität durch modulare Fahrzeuge

„Wir wollen Fahrzeuge nicht mehr für nur einen Zweck bauen“, sagt Pro­fes­sorin Kora Kristof vom KIT. Ein flex­i­bel nutzbares Fahrzeug kann Ressourcen sparen. Zudem eröffnet es neue Möglichkeit­en für eine nach­haltige Mobil­ität.

Dr. Nicole Hoffmeis­ter-Kraut, Min­is­terin für Wirtschaft, Handw­erk und Touris­mus Baden-Würt­tem­berg, betont die Bedeu­tung des Pro­jek­ts für mit­tel­ständis­che Unternehmen.
U‑Shift II stärkt nach ihrer Ein­schätzung die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit der Auto­mo­bilin­dus­trie. Im Mit­telpunkt ste­hen dabei autonomes und ver­net­ztes Fahren. Zudem soll die Zusam­me­nar­beit zwis­chen Forschung und Wirtschaft inten­siviert wer­den.

Forschung bringt U‑Shift auf die Strasse

Im Pro­jekt U‑Shift II wur­den zahlre­iche neue Erken­nt­nisse gewon­nen. Sie sollen mod­u­lare und automa­tisierte Fahrzeugkonzepte weit­er voran­brin­gen. Pro­fes­sorin Meike Jipp vom DLR sieht darin wichtige Grund­la­gen für den prak­tis­chen Ein­satz. Die Forschung soll inno­v­a­tive Mobil­ität­sideen auf die Strasse brin­gen. Damit entste­ht eine wichtige Verbindung zwis­chen Forschung, Tech­nolo­gieen­twick­lung und indus­trieller Anwen­dung.

Das Driveboard bildet die technische Basis

Das flache Dri­ve­board ist das Herzstück des U‑Shift-Sys­tems. Es enthält die wichtig­sten tech­nis­chen Kom­po­nen­ten des Fahrzeugs. Dazu gehören der elek­trische Antrieb und vier Radnaben­mo­toren. Auch Bat­te­rien und Lenkung sind im Dri­ve­board inte­gri­ert. Hinzu kom­men zen­trale Funk­tio­nen für Steuerung, Überwachung und Energiev­er­sorgung. Diese Sys­teme wur­den am Forschungsin­sti­tut für Kraft­fahrwe­sen und Fahrzeug­mo­toren Stuttgart (FKFS) entwick­elt.

Das Dri­ve­board fährt selb­st­ständig unter die passende Kapsel. Anschliessend hebt es die Kapsel an und ver­riegelt sie. Für diesen Vor­gang ist kein men­schlich­er Ein­griff erforder­lich. Dadurch kann das Fahrzeug seine Funk­tion beson­ders flex­i­bel wech­seln.

Austauschbare Kapseln ermöglichen neue Funktionen

Das Prinzip ähnelt einem Wech­sel­con­tain­er. Die Fahrzeugtech­nik bleibt gle­ich, während der Auf­bau aus­ge­tauscht wird. „Statt jedes Fahrzeug neu zu bauen, bleibt die Tech­nik gle­ich“, erk­lärt Dr. Michael Frey vom KIT. Am Insti­tut für Fahrzeugsys­temtech­nik ent­stand ins­beson­dere das Fahrw­erk mit inte­gri­ert­er Hubein­rich­tung.

Diese Tech­nik ermöglicht das automa­tis­che Aufnehmen und Abset­zen der Kapseln. Zusät­zliche Infra­struk­tur ist dafür nicht erforder­lich. Ein Stellplatz für Fahrzeug und Kapsel kann grund­sät­zlich aus­re­ichen. Damit lässt sich das Konzept auch platzs­parend ein­set­zen.

Intelligente Technik passt sich automatisch an

Beim Aufnehmen verbindet sich das Fahrzeug dig­i­tal mit der jew­eili­gen Kapsel. Dadurch kann sich die tech­nis­che Ausstat­tung automa­tisch an die Auf­gabe anpassen. Pro­fes­sor Eric Sax vom KIT beschreibt das Sys­tem als flex­i­ble tech­nis­che Architek­tur. Elek­tron­ik und Soft­ware bilden dabei die zen­trale Schaltzen­trale des Fahrzeugs. Sie ver­net­zen und steuern Fahrzeug­funk­tio­nen und Kapsel­tech­nolo­gien. Auch Sen­soren und Funk­tio­nen passen sich automa­tisch an die jew­eilige Kapsel an.

Beim Per­so­n­en­trans­port gel­ten andere Anforderun­gen als bei der Pake­taus­liefer­ung. Die Soft­ware berück­sichtigt diese unter­schiedlichen Ein­satzbere­iche. Neue Soft­ware kann zudem draht­los instal­liert wer­den. Das funk­tion­iert ähn­lich wie ein Update beim Smart­phone.  

Autonomes Fahren mit präziser Sensortechnik

Das Fahrzeug erken­nt seine Umge­bung mith­il­fe ver­schieden­er Sen­soren. Dazu gehören Kam­eras, Radar und Lasersen­soren. Die Uni­ver­sität Ulm entwick­elte das Sen­sorkonzept und die Sys­teme zur Daten­ver­ar­beitung. Auch die Pla­nung der Fahrbe­we­gun­gen gehört zu diesem Forschungs­bere­ich. Beson­ders beim Andock­en sind präzise Bewe­gun­gen erforder­lich. Gemein­sam mit den Sys­te­men des FKFS gelin­gen zen­time­ter­ge­naue Rang­ier­manöver. Dadurch kann das Dri­ve­board die Kapseln zuver­läs­sig aufnehmen. Ein Ver­riegelungssys­tem des DLR hält die Kapsel während der Fahrt sich­er fest.

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