Daimler Truck und KEYOU entwickeln gemeinsam Wasserstoff-Verbrenner-Lkw, wie die Daimler Truck AG mitteilt. Beide Unternehmen unterzeichneten dazu eine Vereinbarung. Ziel ist eine kurzfristig verfügbare und wirtschaftliche Antriebslösung. Sie soll den Strassengüterverkehr schrittweise dekarbonisieren.
Der Wasserstoff-Verbrenner ergänzt dabei bestehende klimaschonende Antriebe. Denn Daimler Truck setzt bereits auf Batterie und Brennstoffzelle. Nun kommt der Wasserstoffmotor als dritte Option hinzu.
So teilen sich Daimler Truck und KEYOU die Arbeit
Die Aufgaben verteilen sich klar zwischen den Partnern. Daimler Truck liefert Fahrzeuge und Motoren als technische Basis. Konkret geht es um den Mercedes-Benz Actros L 1848. Dazu kommen Motoren auf Basis der 12,8‑Liter-Plattform aus Mannheim.
KEYOU wiederum verantwortet die Anpassung auf Wasserstoff. Den eigentlichen Umbau übernehmen anschliessend qualifizierte externe Dienstleister. So integrieren sie den «KEYOU-inside»-Motor in die Fahrzeuge.
KEYOU HICE.40 fährt laut Hersteller bis 650 Kilometer
Das erste Modell trägt den Namen KEYOU HICE.40. Die Sattelzugmaschine ist für 40 Tonnen Gesamtgewicht ausgelegt. Laut Hersteller erreicht sie eine Reichweite bis zu 650 Kilometer. Möglich macht das eine 350-bar-Druckwasserstofftechnologie.
Die Leistung liegt nach Werksangaben bei bis zu 350 kW. Zudem setzt KEYOU auf ein Port-Fuel-Injection-System. Perspektivisch lässt sich die Technik auf weitere Baureihen übertragen.
Warum Daimler Truck auf Kooperation setzt
Daimler Truck erforscht die Wasserstoffverbrennung seit mehreren Jahren. Für den Markteintritt wählt der Konzern dennoch ein Kooperationsmodell. Denn KEYOU ist auf die Umrüstung bestehender Motoren spezialisiert.
Durch diese Arbeitsteilung senkt Daimler Truck seinen Entwicklungsaufwand. Gleichzeitig soll das Modell schneller zur Marktreife gelangen. Ausserdem wollen beide Partner später Service- und Wartungsstrukturen gemeinsam nutzen.
Wasserstoff-Verbrenner ergänzt die Doppelstrategie
Daimler Truck verfolgt eine Doppelstrategie zur Dekarbonisierung. Batterieelektrische Lkw decken dabei planbare Routen und Fernverkehr ab. Die Brennstoffzelle punktet dagegen im flexiblen und anspruchsvollen Fernverkehr.
Der Wasserstoff-Verbrenner bringt laut Daimler Truck eigene Vorteile mit. So gilt er als robust und wenig komplex. Zudem braucht er wenig Bauraum und nutzt bestehende Industriestrukturen.
Bereits im Mai war zudem bekannt geworden, dass Daimler Truck, MB Energy und Kawasaki Heavy Industries über den Hamburger Hafen gemeinsam eine internationale Wasserstoff-Lieferkette nach Europa aufbauen wollen.
EU wertet geeignete Wasserstoff-Verbrenner als emissionsfrei
Auch regulatorisch gewinnt die Technologie an Bedeutung. Die EU verschärfte 2024 ihre CO₂-Flottenvorgaben für schwere Lkw. Zugleich senkte sie die Schwelle für emissionsfreie Fahrzeuge.
Neu gelten Lkw unter 3 Gramm CO₂ pro Tonnenkilometer als emissionsfrei. Dadurch zählen auch geeignete Wasserstoff-Verbrenner zu dieser Kategorie. Somit erreichen Hersteller ihre Flottenziele leichter. Die Einstufung betrifft allerdings nur den CO₂-Ausstoss.
Wasserstoff-Verbrenner-Lkw sollen ab 2027 skalieren
Der Marktstart des ersten Modells ist für 2027 geplant. Ab Ende 2027 soll die Technologie dann breiter skalieren. Parallel dazu unterstützt Daimler Truck den Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen.
Diese sollen sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben. Fördermittel des deutschen Bundesverkehrsministeriums stützen den Infrastrukturaufbau. Damit wollen die Partner Angebot und Nachfrage gemeinsam entwickeln.
Redaktionelle Hinweise
Attribution: Alle Leistungs- und Reichweitenwerte (650 km, 350 kW, 40 t, 350 bar, PFI) sind Herstellerangaben.
«Emissionsfrei» bezieht sich im Artikel ausschliesslich auf die CO₂-Flottenbilanz. Der Wasserstoff-Verbrenner stösst weiterhin Stickoxide (NOₓ) aus und muss die Luftschadstoff-Grenzwerte (Euro VI bzw. künftig Euro 7) einhalten. Er ist somit nicht «schadstofffrei». In den USA stufen CARB und EPA H2-Verbrenner aus genau diesem Grund nicht als Nullemissionsfahrzeug ein.
Was ist ein Wasserstoff-Verbrennungsmotor?
Ein Wasserstoff-Verbrennungsmotor verbrennt Wasserstoff statt Diesel. Er ähnelt technisch einem klassischen Verbrenner. Im Betrieb stösst er nahezu kein CO₂ aus.
Wer entwickelt den Wasserstoff-Verbrenner-Lkw von KEYOU?
Daimler Truck und die Münchner KEYOU GmbH kooperieren dabei. Daimler Truck liefert Fahrzeuge und Motoren. KEYOU verantwortet die Umrüstung auf Wasserstoff.
Wann kommt der KEYOU HICE.40 auf den Markt?
Der Marktstart ist für 2027 geplant. Ab Ende 2027 soll die Technologie breiter skalieren.
Welche Reichweite hat der KEYOU HICE.40?
Laut Hersteller fährt die Sattelzugmaschine bis zu 650 Kilometer. Möglich macht das eine 350-bar-Druckwasserstofftechnologie.
Gilt ein Wasserstoff-Verbrenner in der EU als emissionsfrei?
Für die CO₂-Flottenregulierung gilt er unter Bedingungen als emissionsfrei. Massgeblich ist die Schwelle von 3 Gramm CO₂ pro Tonnenkilometer. Luftschadstoffe wie Stickoxide bleiben dabei aussen vor.
Worin unterscheidet sich der Wasserstoff-Verbrenner von der Brennstoffzelle?
Der Verbrenner gilt als robuster und weniger komplex. Die Brennstoffzelle punktet dagegen mit Effizienz und hoher Reichweite. Beide nutzen Wasserstoff als Energieträger.