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Plug-in-Hybrid: Verbrauch im Alltag

Warum die offiziellen Werte oft nicht erreicht werden

Der Plug-in-Hybrid Verbrauch im Alltag liegt oft über den offiziellen Angaben. Eine Empa-Studie zeigt, warum regelmässiges Laden, Temperatur, Fahrstil und Fahrzeuggewicht entscheidend sind. Unter optimalen Bedingungen sind Plug-in-Hybride effizient. Im Alltag geht dieser Vorteil jedoch häufig verloren.
EMPA
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Empa zeigt: Der reale Verbrauch von Plug-in-Hybriden liegt häufig über den offiziellen Angaben.
• Entscheidend sind: Regelmässiges Laden, Temperatur, Fahrstil und Fahrzeuggewicht.
• Fazit: Nur bei konsequenter elektrischer Nutzung können Plug-in-Hybride ihre Umweltvorteile ausschöpfen.

Plug‑in‑Hybride erfreuen sich gross­er Beliebtheit. Sie bilden qua­si das Bindeglied zwis­chen klas­sis­chem Ver­bren­ner und der Elek­tro­mo­bil­ität — ohne Angst vor begren­zeten Reich­weit­en und häu­fi­gen und zeitrauben­den Ladezeit­en. Aber: Plug‑in‑Hybride ver­brauchen oft mehr als offiziell angegeben. Eine Empa-Studie zeigt nun die Gründe dafür: Ob die Fahrzeuge ihren Umweltvorteil im All­t­ags­ge­brauch tat­säch­lich ausspie­len kön­nen, hängt stark von der Nutzung, den Umge­bung­stem­per­a­turen und dem Fahrzeugde­sign ab. Beson­ders regelmäs­siges Laden, das Fahrver­hal­ten und Fahrzeugeigen­schaften wie Gewicht spie­len dabei eine entschei­dende Rolle.

Der richtige Einsatz will bedacht sein

Fahrzeuge mit Plug‑in‑Hy­brid-Antrieb sollen den Über­gang zur Elek­tro­mo­bil­ität erle­ichtern. Sie kön­nen kürzere Streck­en rein elek­trisch zurück­le­gen und bieten für län­gere Fahrten einen Ver­bren­nungsmo­tor als Back­up. Wie gross der rein elek­trisch gefahrene Anteil tat­säch­lich ist, hängt laut den vom Bun­de­samt für Umwelt (BAFU) geförderten Empa-Stu­di­en stark vom Ein­satz – und ins­beson­dere vom Lade­v­er­hal­ten – ab. «Wenn jemand ein Plug‑in‑Hybrid besitzt und das Fahrzeug nicht regelmäs­sig lädt, fährt diese Per­son de fac­to einen schw­er­eren Ver­bren­ner. Durch das zusät­zliche Gewicht von Bat­terie und Elek­tro­mo­tor kann der Ver­brauch sog­ar höher liegen als bei einem ver­gle­ich­baren kon­ven­tionellen Ben­zin­er», erk­lärt Stu­di­en­au­torin Miri­am Elser von der Empa. Entschei­dend ist deshalb auch das Fahrzeugde­sign: Fahrzeuggewicht, Antrieb­sausle­gung und Bat­teriegrösse bee­in­flussen, wie effizient ein Plug-in-Hybrid auf der Strasse unter­wegs ist.

Schlechte Bedingungen schmälern den Vorteil deutlich

Bis­lang stützten sich Erken­nt­nisse zum tat­säch­lichen Ver­brauch von Plug‑in‑Hybriden vor allem auf im Fahrzeug erhobe­nen All­t­ags­dat­en. Diese stam­men aus dem soge­nan­nten «On-Board Fuel Con­sump­tion Mon­i­tor­ing» (OBFCM), dass bei Fahrzeu­gen auf dem europäis­chen Markt seit eini­gen Jahren vorgeschrieben ist. Die OBFCM-Dat­en zeigen, dass die realen Treib­stof­fver­bräuche deut­lich über den offiziellen Typ­prüfw­erten liegen. «Aus solchen direkt in Fahrzeu­gen erhobe­nen All­t­ags­dat­en weiss man zwar, dass der Ver­brauch höher ist, aber nicht warum», erläutert Elser. Infor­ma­tio­nen zu Umge­bung­stem­per­atur, Heiz­be­trieb oder Fahrweise fehlen dabei meist und wer­den auch durch stan­dar­d­isierte Typ­prü­fun­gen nicht abgedeckt.

Um diese Lücke zu schliessen, unter­sucht­en die Empa-Forschen­den zwölf aktuelle Plug‑in‑Hybrid‑Personenwagen auf dem Rol­len­prüf­s­tand im Labor. Gemessen wur­den elek­trische Reich­weite, Strom‑ und Treib­stof­fver­brauch sowie CO₂‑ und Schad­stof­fe­mis­sio­nen bei unter­schiedlichen Aussen­tem­per­a­turen – darunter 23 Grad, minus 7 Grad sowie minus 7 Grad mit eingeschal­teter Heizung. Zusät­zlich testeten sie auch dynamis­chere Fahrpro­file. «So kon­nten wir erst­mals gezielt auseinan­der­hal­ten, welchen Ein­fluss Kälte, die Heizung oder der Fahrstil auf den elek­trischen Anteil und den Ver­bren­ner­be­trieb haben», sagt Elser.

Die Resul­tate zeigen ein klares Muster: Unter ide­alen Bedin­gun­gen fahren Plug‑in‑Hybride lange elek­trisch und verur­sachen entsprechend geringe Emis­sio­nen. Unter real­is­tis­chen All­t­ags­be­din­gun­gen kann ihr Effizien­zvorteil jedoch weit­ge­hend ver­loren gehen. Tiefe Tem­per­a­turen, eingeschal­tete Heizung und dynamis­ches Fahren verkürzen die elek­trische Reich­weite deut­lich. Der Ver­bren­nungsmo­tor schal­tet früher und häu­figer zu, und Treib­stof­fver­brauch sowie CO₂‑ und Schad­stof­fe­mis­sio­nen steigen teils stark an.

Zwischen Gewicht und Batteriegrösse braucht es Balance

Die Unter­suchun­gen der Empa zeigten zudem, dass das Gesamt­de­sign der Plug‑in‑Hybride eben­falls einen Ein­fluss hat. «Es ist nicht automa­tisch der kle­in­ste Wagen, der am besten abschnei­det – aber leichtere Fahrzeuge mit mod­er­ater Motorisierung und aus­ge­wo­gen­er Bat­teriegrösse erre­ichen in unseren Mes­sun­gen ins­ge­samt gün­stigere Effizien­zw­erte», sagt Elser. Solche Fahrzeuge ver­fü­gen ten­den­ziell über eine gute Bal­ance zwis­chen elek­trisch­er Reich­weite, Energie­ver­brauch und Emis­sio­nen.

Schwere Fahrzeuge benöti­gen mehr Energie pro Kilo­me­ter. Bei Plug‑in‑Hybriden ver­stärkt das zusät­zliche Gewicht von Bat­terie und Antrieb diesen Effekt und kann dazu führen, dass sich der Ver­bren­nungsmo­tor früher und häu­figer zuschal­tet. Unter ungün­sti­gen Bedin­gun­gen sinkt die elek­trische Reich­weite deut­lich, während Treib­stof­fver­brauch sowie CO2- und Schad­stof­fe­mis­sio­nen ansteigen. Auch sehr grosse Bat­te­rien ent­fal­ten ihren Vorteil nur dann, wenn sie regelmäs­sig geladen wer­den und die Fahrpro­file zur elek­trischen Reich­weite passen – gle­ichzeit­ig erhöht ihr zusät­zlich­es Gewicht dauer­haft den Energiebe­darf.

Der sogenannte «Utility Factor» spielt eine zentrale Rolle

Bei der Typ­prü­fung von Plug-in-Hybri­den spielt der soge­nan­nte «Util­i­ty Fac­tor» eine zen­trale Rolle. Er ist ein Mass für den elek­trisch zurück­gelegten Anteil und liegt bei Plu­g­in-Hybrid-Fahrzeu­gen bei 70 bis 85 Prozent. Bish­er stützte sich die EU bei ihrer Berech­nung auf ältere Pendler­dat­en aus den USA. Reale europäis­che OBFCM-Fahrdat­en zeigten jedoch, dass Plug‑in‑Hybride im All­t­ag deut­lich weniger elek­trisch gefahren wer­den. Deshalb wurde die Berech­nungsmethodik für den europäis­chen «Util­i­ty Fac­tor» 2025 ein erstes Mal angepasst. Dies soll ab 2027 erneut geschehen.

Die Empa‑Forschenden unter­sucht­en, ob diese europäis­chen Annah­men auch für die Schweiz passen. Dazu berech­neten sie erst­mals den elek­trischen Fahran­teil auf Basis der nationalen Mobil­itäts­dat­en aus dem Mikrozen­sus Mobil­ität und Verkehr. Die typ­is­chen Tages­fahrstreck­en wur­den mit den Emissions‑ und Energie­ver­brauchs­dat­en der auf dem Rol­len­prüf­s­tand unter­sucht­en Plug‑in‑Hybride verknüpft und zusät­zlich mit realen Ver­brauchs­dat­en abgeglichen.

Das Ergeb­nis: Ein für die Schweiz angepasster «Util­i­ty Fac­tor», also der sta­tis­tisch elek­trisch gefahrene Anteil, würde ten­den­ziell höher aus­fall­en als der europäis­che, da hierzu­lande im Durch­schnitt kürzere Streck­en zurück­gelegt wer­den und der Anteil an Fir­men­fahrzeu­gen – die in Europa stark vertreten sind und noch sel­tener geladen wer­den als pri­vate Plu­g­in-Hybride – deut­lich geringer ist. Allerd­ings beste­hen ohne reale Dat­en zum Lade­v­er­hal­ten weit­er­hin Unsicher­heit­en, so Elser: «Wir haben beispiel­sweise angenom­men, dass alle Nutzerin­nen und Nutzer ihr Fahrzeug jeden Abend laden.»

Realitätsnahe Nutzungsfaktoren sind zentral

Die Stu­di­en sprechen ins­ge­samt für län­der­spez­i­fis­che und möglichst real­ität­sna­he «Util­i­ty Fac­tors». Denn der in den Zulas­sungsrichtlin­ien vorgegebene elek­trische Fahran­teil bee­in­flusst die offiziellen Werte für Treib­stof­fver­brauch, Strombe­darf und Emis­sio­nen erhe­blich. Zu kon­ser­v­a­tive Annah­men kön­nten jedoch dazu führen, dass Plug‑in‑Hybride reg­u­la­torisch an Attrak­tiv­ität ver­lieren. «Es wäre schade, wenn diese Tech­nolo­gie allein auf­grund method­is­ch­er Annah­men an Bedeu­tung ver­lieren würde», sagt Elser. «Für viele, die heute noch nicht in der Lage oder Wil­lens sind für ein reines Elek­troau­to, kann ein regelmäs­sig geladen­er Plug‑in‑Hybrid deut­lich bess­er sein als ein rein­er Ver­bren­ner.» Entschei­dend sei, dass Plug‑in‑Hybride kor­rekt genutzt und ihr tat­säch­lich­er elek­trisch­er Fahran­teil im All­t­ag gezielt gefördert werde – etwa durch ver­lässliche Lade­in­fra­struk­tur zu Hause und am Arbeit­splatz, klare Vor­gaben für Lade­fähigkeit in Flot­ten sowie Anreizsys­teme, die Strom­nutzung gegenüber Treib­stoff begün­sti­gen.

Die Empa ist das inter­diszi­plinäre Forschungsin­sti­tut des ETH-Bere­ichs für Mate­ri­al­wis­senschaften und Tech­nolo­gie. Als Brücke zwis­chen Forschung und prak­tis­ch­er Anwen­dung erar­beit­et sie Lösun­gen für die vor­rangi­gen Her­aus­forderun­gen der Indus­trie und schafft die wis­senschaftlichen Grund­la­gen für eine nach­haltige Entwick­lung unser­er Gesellschaft. Als Insti­tu­tion des ETH-Bere­ichs ist die Empa in all ihren Tätigkeit­en der Exzel­lenz verpflichtet.

Empa — Swiss Fed­er­al Lab­o­ra­to­ries for Mate­ri­als Sci­ence and Tech­nol­o­gy

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