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Verkehrsabgaben

Die Kostenspirale dreht, der Verkehr steht!

Der Ständerat hat mit einer Einstimmigkeit, die Seltenheitswert hat, der Einführung einer Transitabgabe die Zustimmung erteilt. Die simple Botschaft: «Wer durch die Schweiz fährt, soll wenigstens etwas Geld liegen lassen!» Was aus rein emotionaler Sicht leicht zu bejahen ist, könnte sich abermals als Bumerang fürs eigene Volk erweisen.
KI / eka
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Die geplante Transitgebühr soll ausländische Fahrzeuge zur Kasse bitten, könnte aber auch Schweizer Autofahrer belasten.
• Viele Verkehrsabgaben bleiben dauerhaft bestehen und finanzieren teils andere Projekte als ursprünglich vorgesehen.
• Unterschiedliche Finanzierungsmodelle zeigen, dass Effizienz und Transparenz entscheidend für eine faire Lösung sind.

Dass das Geld auf der Strasse liegt, ist eine alte Weisheit. Schweiz­er Strassen­verkehrs­be­nutzer haben die wort­ge­treue Umset­zung dieses Leit­satzes mod­er­nen Raubrit­ter­tums schon mehrfach zu spüren bekom­men. Mit Argu­menten, die im Wortschatz ide­ol­o­gis­ch­er Kreise als Speer­spitze allen Denkens und Han­delns zu Felde geführt wer­den, boxt man Abgabe um Abgabe durch. Die nun vom Stän­der­at abge­seg­nete Tran­sitab­gabe rei­ht sich damit in die lange Liste staatlich­er Abgaben­wut.

Ist die Geldquelle erst mal angezapt, wird sie bedenkenlos ausgebaut

Beispiele gefäl­lig? Wenn ich mich recht entsinne, war es in den 90er Jahren, als der soge­nan­nte «Ben­z­inzwänzger» einge­führt wurde. Er sollte befris­tet zur Finanzierung von Pro­jek­ten zum Aus­bau des Nation­al­strassen­net­zes herange­zo­gen wer­den. Hat irgend jemand jemals davon gehört, dass er inner­halb der ver­sproch­enen Frist zurückgenom­men wurde? Der «Zwänzger» blieb haften und purzelt weit­er­hin munter in den staatlichen Geld­säck­el.

Gle­ich­es passierte mit der Vignette. Sie sollte eben­falls nur für einen begren­zten Zeitraum zum Tra­gen kom­men. Was ist passiert? – Eine Auf­s­tock­ung wurde durchge­boxt. Immer­hin hat der Sou­verän zulet­zt ein­er weit­eren Erhöhung an der Urne eine Absage erteilt. Doch die Vignette, dies vorüberge­hende Instru­ment, gehört inzwis­chen zum fest instal­lierten Zapfhahn staatlich­er Geldbeschaf­fungspoli­tik.

Andere zur Kasse bitten wollen und selber am meisten blechen

Es ist ein alt bewährtes Rezept, das sich quer durch alle Epochen der Men­schheits­geschichte hin­durchzieht: “Willst Du die Massen in eine bes­timmte Rich­tung lenken, schüre Angst und Panik, oder schaffe ein Feind­bild.” Es funk­tion­iert wie eh und je, ungeachtet des Bil­dungs­standes der jew­eili­gen Zivil­i­sa­tion. Die CO2-Abgabe ist gegen­wär­tig der Klas­sik­er, wenn man es auf Angst und Panik beziehen will. Die Wel­tun­ter­gangsstim­mung ist immer noch ein «Ren­ner». Beim Feind­bild kön­nen wir die Vignette als Beispiel her­anziehen. «Die Aus­län­der fahren durch die Schweiz, ohne dass sie auch nur einen Rap­pen liegen lassen. Die sollen blechen!» Damit war die Vignette beschlossene Sache. Als Kle­in­staat ist der Schweiz in der Tat das Los beschieden, sie in zweiein­halb Stun­den durch­queren zu kön­nen. Immer voraus­ge­set­zt, dass einem das wach­sende Stauaufkom­men keinen Strich durch die Rech­nung macht, die als Währung nur die Zeit nicht aber den Franken ken­nt. Wie auch immer: Der Schweiz­er zahlt mit, obwohl er schon reich­lich Franken abdrück­en muss.

Das gle­iche Trauer­spiel ist übri­gens von der Leis­tungsab­hängi­gen Schw­erverkehrsab­gabe (LSVA) zu ver­melden. Als Alpen­tran­sitab­gabe für den alpen­queren­den, europäis­chen Schw­erverkehr gedacht, bezahlen heute zu rund zwei Drit­teln die Schweiz­er Trans­portun­ternehmer die Zeche – genau genom­men der Schweiz­er Kon­sument, auf den diese Kosten­be­las­tung logis­cher­weise abgewälzt wer­den muss, anson­sten die Schweiz­er Fuhrhal­ter schon längst bankrott wären.

Ein ganz anderes Finanzierungsmodell

Wer Abgaben des Kalibers Vignette oder nun Tran­sit­ge­bühr erfol­gre­ich zum Ziel führen will, bedi­ent sich eines weit­eren Argu­ments: «Fahren Sie mal durch Ital­ien, Frankre­ich oder Spanien. Was kostet das?» Richtig, in diesen Staat­en ist auf Auto­bah­nen eine Maut­ge­bühr zu entricht­en. Hier­bei gilt es zu bedenken, dass in den genan­nten, und weit­eren Staat­en, die Auto­bah­nen in der Hand pri­vater Gesellschaften sind. Sie zeich­nen für Aus­bau und Unter­halt ver­ant­wortlich. Das hat die angenehme Begleit­er­schei­n­ung, dass Strassen­baustellen in Winde­seile abge­fer­tigt wer­den. Denn: Wo kein Verkehr fliesst, fliesst auch keine Kohle! In der Schweiz dage­gen wird jede noch so kleine Strassen­baustelle zeitlich zum Jahrhun­der­twerk. Eile ist nicht geboten, das Geld fliesst ja so oder so in die Bun­deskasse. Wir müssen also von unter­schiedlichen Finanzierungsmod­ellen sprechen, die sich in ihrer Wirkung mas­siv unter­schei­den.

Damit nicht genug: Zweckentfremdung gehört zum Standard

Welch Sch­aber­nack in der Schweiz mit Stras­sen­geldern getrieben wird, zeigt sich noch an ein­er anderen Tat­sache: Die Strasse spült seit Jahren einen zweis­tel­li­gen Mil­liar­den­be­trag in die Staatskasse. Aktuell sind es 13 Mil­liar­den Franken, welche dem Bund jährlich zufliessen. Ger­ade mal ein Bruchteil davon wird in den Aus­bau und Unter­halt der Strasse investiert. Ein ganz erhe­blich­er Teil kommt dem öffentlichen Verkehr, primär der Bahn, zugute, was mithin damit begrün­det wird, dass der ÖV ja die Strassen ent­laste – dies vor dem Hin­ter­grund ständig wach­sender Staus­tun­den! Das ist, als ob man die Migros sub­ven­tion­ieren würde, um die Schlange an den Kassen von Coop-Läden zu reduzieren. Es erin­nert, mit Ver­laub, an Habecksche Wirtschaft­spoli­tik, wo es ja keine Insol­ven­zen gibt son­dern lediglich Pro­duk­tion­saus­fälle! Wo der ganze Rest der Stras­sen­gelder hin­fliesst, die damit noch nicht verzehrt wur­den und übrig bleiben, wis­sen nur Göt­ter, die keine sind.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Die nun vom Stän­der­at befür­wortete Tran­sit­ge­bühr wird nun an die näch­ste Kam­mer zur Beratung über­wiesen. Noch ist also nichts in Stein gemeis­selt. Ausser­dem stellt sich die Frage, wie sich die EU zu dieser Abgabe posi­tion­ieren wird? Schweiz­er Poli­tik­erIn­nen entsteigen ja dem Flugzeug in Brüs­sel bekan­ntlich auf allen Vieren… Auch von dieser Seite dro­ht Ungemach. Es sei daran erin­nert, was passierte, als die Deutschen eine Benutzungs­ge­bühr für ihre Auto­bah­nen erheben woll­ten. Von Mit­glied­staat­en und aus Brüs­sel hagelte es Proteste. Der dama­lige deutsche Verkehrsmin­is­ter musste einen Rückzieher machen. Das Vorhaben wurde schubla­disiert, weil Staat­en Bedenken äusserten, die zwar sel­ber eine Maut­ge­bühr auf Schnell­strassen erheben (?!) — allerd­ings durch pri­vate Betreiber, was ein­mal mehr den Unter­schied der Finanzierungsmod­elle her­ausstre­icht.

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