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Staaten und Mineralölgesellschaften kassieren schamlos ab

Das teuflische Spiel mit den Treibstoffpreisen

Wer die Entwicklung der Erdölpreise an der Börse über die letzten Tage, ja gar Wochen verfolgt hat, muss sich als Vollidiot fühlen, wenn er an der Zapfsäule steht. Während die Börse längst vom Höchtspreis von etwa 120 US Dollar pro Brent runtergekommen ist und aktuelle unter 80 US-Dollar steht, verspotten uns die Treibstoffpreise mit Höchstständen, die keinerlei Bewegung nach unten erkennen lassen. Leicht auszurechnen, dass hier gewisse Spezies sich schamlos bereichern.
KI-generiert / eka
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
• Trotz eines kontinuierlich sinkenden Erdölpreises orientieren sich die Treibstoffpreise an den Zapfsäulen immer noch an Höchstständen.
• Währendessen vermelden Mineralölgesellschaften Rekordgewinne und auch die Staatskassen erfreuen sich an ganz erheblichen Mehreinnahmen.
• Es lässt sich schon gar nicht mehr nur als Verdacht abtun, dass hinter dieser Preispolitik branchenspezifische, politische und sogar ideologische Ziele stecken.

Seit dem Iran-Krieg und der Sper­rung der Strasse von Hor­mus spie­len die Treib­stoff­preise ver­rückt. Genau genom­men sind es die Akteure dahin­ter, welche man als ver­rückt beze­ich­nen muss. Preisanstiege wer­den umge­hend weit­ergeben, ein Nach­lassen der Erdöl­preise hinge­gen kommt erst mit reich­lich Ver­spä­tung beim Kon­sumenten an. Es bewahrheit­et sich ein­mal mehr: Krisen sind immer wieder geeignete Mit­tel, damit sich gewisse Kreise ihre Säcke prall füllen kön­nen.

Europa als Drama-Queen

Durch die Strasse von Hor­mus wer­den etwa 20 Prozent des weltweit­en Erdölbe­darfs trans­portiert. Europa set­zt in weitaus gerin­gerem Mass auf diese Abnah­me­quelle. Es sind vor allem die asi­atis­chen Län­der, die recht stark von diesem Trans­portweg abhän­gen. Doch das Dra­ma spielt sich natür­lich auf dem Alten Kon­ti­nent ab. Hier wird mit Preisen gespielt, dass es selb­st dem Teufel graust. Das berechtigt zur Frage, was denn wohl dahin­ter­steck­en mag.

Chronologie eines teuflischen Spiels

Welch unsäglich­er Hohn spricht aus der Tat­sache, dass schon kurz nach dem Aus­bruch des Iran-Kriegs und der Achter­bah­n­fahrt des Erdöl­preis­es ver­schieden­ste Min­er­alölge­sellschaften absolute Reko­rdgewinne ver­melde­ten. Dies vor dem Hin­ter­grund, dass Wirtschaft und Volk unter den Ölpreisen ächzen und krächzen. Was hier als schneller Gewinn für ein paar wenige zu Buche schlägt, kön­nte sich sehr leicht zur Weisheit mausern: Sie sägen am Ast, auf dem sie sitzen.

Den Gipfel der Lächer­lichkeit erlauben sich all die Vertreter der Min­er­alölge­sellschaften, wenn sie die Preis­poli­tik «sach­lich» zu begrün­den ver­suchen. Was da alles an Ausre­den her­vorgekramt wird, spot­tet jedem Wahrheit­sempfind­en. Ich mag im Detail gar nicht mehr darauf einge­hen, weil zu offen­sichtlich ist, welchen Zweck­en all diese Ver­laut­barun­gen dienen. Es kommt der schmierige Pila­tus-Effekt zum Zug: «Ich wasche meine Hände in Unschuld». Diese Hand wird aber nur schüt­teln, wer kräftig mitver­di­ent.

Ein Rappengeschäft in Milliardenhöhe

Im ersten Monat der gegen­wär­ti­gen Erdölkrise, so hört man, sollen der deutschen Staatskasse durch die erhöht­en Treib­stoff­preise über 600 Mil­lio­nen Euro zusät­zlich zuge­flossen sein. Logisch! Höhere Treib­stoff­preise lassen über die Mehrw­ert­s­teuer die Kasse klin­geln. In Zeit­en fort­laufend­er Ver­schul­dung der Staat­en, als Folge ein­er Aus­gaben­poli­tik, die mit allen Regeln von Ver­nun­ft und Anstand bricht, ein höchst willkommen­er Zus­tupf. Was sich vorder­gründig in Rap­pen oder Cents aus­drückt, wird in Tat und Wahrheit zum Mil­liar­dengeschäft — zu Las­ten der Volk­swirtschaft!

Kann das Volk wirklich so dumm sein?

Wenn ich dann unlängst höre, dass als Kon­se­quenz der staatlich verord­neten und befris­teten Ermäs­si­gung der Treib­stoff­preise um 17 Cents dem deutschen Staat 1,3 Mil­liar­den Euro ver­loren gin­gen, kann ich mir aus­rech­nen, wieviele Mil­liar­den der Staat über den ganzen Zeitraum dieser Krise zusät­zlich ein­genom­men hat. Gle­ich­es gilt für die Schweiz und zahl­los andere Staats­ge­bilde. Denn dieser ver­meintliche Ver­lust errech­net sich auf den Zahlen von gewalti­gen Mehrein­nah­men. Für wie blöd verkaufen unsere VolksvertreterIn­nen eigentlich ihr Volk? Und by the way: Diese und jene Min­er­alölge­sellschaft hat diesen von oben ini­ti­ierten Preis­nach­lass als Mar­genin­stru­ment miss­braucht, indem sie die Preisanstiege halt schnell mal höher anset­zten, als es – wenn über­haupt — angezeigt gewe­sen wäre. Man hat ja jet­zt wieder etwas Luft gewon­nen, um ein unseliges Spiel noch mehr auf die Spitze zu treiben! Anders ist dieses Han­deln nicht zu deuten.

By the way: In der Schweiz stand eine vorüberge­hende Absenkung ohne­hin über­höhter Abgaben (Treib­stof­fzölle, Min­er­alöl­s­teuer) nie zur Debat­te, obwohl damit Volk und Wirtschaft spür­bar hät­ten ent­lastet wer­den kön­nen. Mit den Zusatzein­nah­men durch die Mehrw­ert­s­teuer wäre ein solch­er Schritt wohl leicht­ens kom­pen­siert gewe­sen.

Ein Segen zur Umsetzung ideologischer Ziele, ein Fluch für Volk und Wirtschaft

Es drängt sich indes eine weit­ere Frage auf: Nutzt die Poli­tik, deren Aus­rich­tung inzwis­chen schmerzhaft bekan­nt ist, die Krise, um ide­ol­o­gis­che Ziele durchzu­drück­en? Mit finanziellen Anreizen, die sich dere­inst sehr schnell ver­flüchti­gen wer­den wenn der Finanzierungs­be­darf für den Bau und Unter­halt von Strassen nicht mehr gedeckt ist, wird der Schritt zur E‑Mobilität regel­recht erzwun­gen. Mit der Ver­teuerung der Treib­stoff­preise hat man dazu ein willkommenes Instru­ment erhal­ten, ohne dass man sich sel­ber zum Buh­mann erheben müsste. Der Preis wird ja von anderen bes­timmt. Gle­ichzeit­ig prof­i­tiert man noch von ganz erhe­blichen Mehrein­nah­men über all die Abgaben, die auf Treib­stof­fen beste­hen. Grüne Ide­olo­gie wird durch die Hin­tertüre durchge­drückt, und viele soge­nan­nt Bürg­er­liche spie­len wack­er mit, weil die Kasse klin­gelt.

Das erin­nert mich an ein Gespräch mit einem Bern­er Gross­rat. Er war der Ein­ladung der ASTAG-Sek­tion Bern gefol­gt. Es ging darum, die Real­itäten des Strassen­trans­ports zu beleucht­en. Als ich ihn fragte, was er schätze, wieviel LSVA pro Jahr und Last­wa­gen im Schnitt fäl­lig wür­den, meinte er: “So etwa 4000 oder 5000 Franken.” Als ich ihn mit der tat­säch­lichen Zahl kon­fron­tierte, die sich damals im Schnitt bei 80’000 Franken pro Jahr und Last­wa­gen bewegte, reagiert er zunächst schock­iert. Nach kurz­er Über­legung warf er dann aber ein: “Aber es bringt ja dem Staat Geld.” Noch Fra­gen?

Wir retten die Welt, und zerstören uns

Wir, in der Grösse eines Fliegen­schiss­es auf der Weltkarte, wollen die ganze Welt ret­ten, und besiegeln damit unseren volk­swirtschaftlichen und sozialen Nieder­gang. Bra­vo (!), dieser Geschichts­buchein­trag wird dere­inst anders niedergeschrieben, als es sich gewisse Kreise erhof­fen, zynis­cher­weise genau jene, welche die Wieder­hol­ung der Geschichte ver­mei­den wollen. Dazu fällt mir ein chi­ne­sis­ches Sprich­wort ein: Fülle den Leuten die Reiss­chüs­sel, und Du hast Frieden.

Auch hier wieder ist Deutsch­land ein Parade­beispiel, stel­lvertre­tend für viele andere Staats­ge­bilde auf diesem Kon­ti­nent. Über­bor­dende Energiepreise sind mithin ein Fak­tor, welche den Wirtschafts­stan­dort schwächen und eine Dein­dus­trielisierung in Bewe­gung set­zen. In weit­er­er Kon­se­quenz hat dies Fol­gen auf den Arbeits­markt, die Sozialaus­gaben und die Steuere­in­nah­men. Der Tief­punkt dieser Poli­tik ist leicht vorauszuse­hen, wer noch die Fähigkeit besitzt, über den eige­nen Nasen­spitz hin­aus zu sehen. Lei­der Gottes gehört diese Spezies ein­er ausster­ben­den Rasse an. Die Fähigkeit und Bere­itschaft In grösseren Zusam­men­hän­gen zu denken und han­deln, ist uns augen­schein­lich abhan­den gekom­men. Auf jeden Fall zeich­net sich ab, dass die Aus­gaben weit­er­hin steigen, während die Ein­nah­men sinken. Na dann viel Spass im Treib­sand kurzbeiniger Ide­olo­gien! Anders gesagt: Die Real­ität holt jeden ein, alles hat ein Ende.

Ein Votum für Schaufensterpuppen

Und wie immer in ver­gle­ich­baren Fällen stellt sich die Frage: Warum über­haupt leis­ten wir uns einen über Steuergelder fürstlich ent­lohn­ten Preisüberwach­er? Eine Frage, die sich natür­lich noch bei vie­len weit­eren Staats­be­di­en­steten stellen dürfte, wenn man sie an ihrer Effizienz misst. Wür­den wir Schaufen­ster­pup­pen auf diese Ses­sel set­zen, liesse sich viel Geld sparen und der Ist-Zus­tand wäre gle­ich­wohl garantiert.

Kommentare:

One Response

  1. bin nicht der jüng­ste!
    habe vor ca 60 jahren an einet eidg.. abs­b­stim­mung über 5 rp, treib­stof­f­zoll erhöhung, was ja hochkan­nt abgelehnt wurde!
    frage? warum wurde seit her zu diesem the­ma kein urnen­gang mehr gemacht? (ben­zin damals ca. 45rp .)

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